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Zapfenstreich für Angela Merkel: Danke? Nein, Danke!

Ära geht zu Ende : Zapfenstreich für Angela Merkel: Danke? Nein, Danke!

Im Rückblick geziemt es sich, einer bemerkenswerten Frau Respekt zu zollen. Aber für Dank, Elogen und Lobeshymnen besteht eigentlich kein Anlass.

Es ist vorbei. Angela Merkel ist nicht mehr Kanzlerin. Eine Ära geht zu Ende, eine Ära, die 16 Jahre lang währte. Wer hätte das gedacht, als „Kohls Mädchen“, als die Pfarrerstochter mit Ost-Vita 2005 ins Kanzleramt gewählt wurde? Vermutlich glaubten sehr wenige, dass Merkel in die Fußstapfen ihrer christdemokratischen Vorgänger Konrad Adenauer und Helmut Kohl würde treten können. Sie konnte, weil sie besondere Fähigkeiten mitbringt. Angela Merkel hat Langmut, sie ist verhältnismäßig leidenschaftslos und sie ist vollständig skandalfrei. Das sind sehr gute Eigenschaften für Menschen, die in die Politik gehen. Es macht sie unangreifbar. Das kommt bei den Menschen an. Dabei hat sie für die Wähler in Deutschland so viel gar nicht bewirkt.

Als Bundeskanzlerin war Merkel im Dauer-Krisenmodus. Die Finanzkrise 2008, die permanente Krise der EU, die Flüchtlingskrise, die Krise der Nato, die Krise in den Beziehungen zu den USA, der Brexit, die Corona-Pandemie – all das hat die Bundeskanzlerin zur Bundespräsidial-Kanzlerin und zur Bundes-Außenkanzlerin gemacht. Das Ergebnis ist weltweit hohes Ansehen, große Beliebtheit beim Wahlvolk. Innenpolitisch hingegen hat sie eine Trümmerlandschaft hinterlassen. Ihre Partei, die CDU, ist ein einziger Scherbenhaufen, die großen Themen der Gesellschaft sind in den vergangenen 16 Jahren im Grunde lediglich angesprochen, aber politisch nicht behandelt worden. Dass Fridays for Future Merkel jetzt die Rote Karte zeigt, überdeckt nur die Lücken, welche die Kanzlerin an anderen Stellen gelassen hat. Deutschland kennt noch keine Antwort auf den demografischen Wandel. Die Renten sind nicht sicherer geworden, eher im Gegenteil. In der Digitalisierung spielt Deutschland gegen den Abstieg. Die Migrationsfrage hat Merkel 2015 mit einer ebenso christlichen wie notwendigen Geste auf die Tagesordnung gehoben, bearbeitet hat sie diese Aufgabe jedoch nicht. Die Infrastruktur – Straßen, Brücken, Bahn – ist marode. Heute geht die Ära Merkel zu Ende. Im Rückblick geziemt es sich, einer bemerkenswerten Frau Respekt zu zollen. Aber für Dank, Elogen und Lobeshymnen besteht eigentlich kein Anlass.