Zahl der Organspenden sinkt — NRW unter den Schlusslichtern

Zahl der Organspenden sinkt — NRW unter den Schlusslichtern

2011 Rückgang um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 4054 schwer kranken Menschen konnte aber geholfen werden.

Frankfurt. Die Zahl der Organspenden ist 2011 wieder deutlich gesunken. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) spendeten 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe, 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr. 4054 Menschen habe mit einer Transplantation geholfen werden können, im Jahr zuvor seien es 4326 gewesen, teilte die DSO am Donnerstag mit. Ein möglicher Grund für den Rückgang sei die wachsende Zahl der Patientenverfügungen.

In Nordrhein-Westfalen gab es im vergangenen Jahr 243 Spender — 13 weniger als im Jahr 2010 und 16 weniger als im Jahr 2009. Die Zahl der verpflanzten Organe stieg dagegen im vergangenen Jahr leicht an — von 804 auf 811. Mit 13,6 Spendern auf eine Million Einwohner liegt NRW deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 14,7 (siehe Grafik).

2010 hatte die Zahl der Organspenden bundesweit einen neuen Höchststand erreicht. Nach wie vor warten nach DSO-Angaben 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Vermittlungsstelle für Organspenden in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Deutschland ist Eurotransplant. Dort werden gemeinsame Wartelisten geführt, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen.

Prof. Günter Kirste, Medizinischer Vorstand der DSO, sagte: „Wir nehmen den Rückgang der Organspende sehr ernst und arbeiten mit den Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken unermüdlich an Möglichkeiten und Wegen, um mehr Menschen mit einer Transplantation zu helfen.“ Als beauftragte Koordinierungsstelle sei die DSO darauf angewiesen, dass die Krankenhäuser potenzielle Spender melden.

Kirste erläuterte, dass immer häufiger Patientenverfügungen eine Organspende auszuschließen schienen, weil der Patient sich nicht explizit dazu geäußert hat und gleichzeitig intensiv-medizinische Maßnahmen ablehne. Dies zeichne sich in einem Zwischenbericht des Projekts „Inhousekoordination“ ab, bei dem Faktoren in den Kliniken analysiert werden, die zu einer nachhaltigen Steigerung der Organspende beitragen können. Als Spender kommen nur Patienten infrage, deren Körperfunktionen nach dem Hirntod aufrechterhalten und die weiter beatmet, also intensiv-medizinisch behandelt werden.

Die Deutsche Hospiz-Stiftung nannte es „falsch zu glauben, dass der Rückgang der Organspenderzahlen allein der Umsetzung von Patientenverfügungen geschuldet ist“. Der Geschäftsführende Stiftungsvorstand Eugen Brysch mahnte: „Die Menschen sind verunsichert. Es fehlt an Aufklärung.“

Die DSO erhofft sich von einer bevorstehenden Gesetzesänderung eine Förderung der Organspende: Demnach soll die Bereitschaft der Bürger zu einer Organspende abgefragt werden. Derzeit muss ein Spender von sich aus sein Einverständnis geben. Red