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Wirtschaft: Zu viele Schüler sind nicht ausbildungsfähig

Wirtschaft: Zu viele Schüler sind nicht ausbildungsfähig

47 Prozent der Bewerber fehlt es an Leistungsvermögen und schulischer Qualifikation.

Berlin. Die Bundesregierung ist besorgt über die mangelnde Ausbildungsreife vieler Jugendlicher. Nach wie vor verlassen zu viele die Schule ohne Abschluss. Jeder fünfte Ausbildungsvertrag (21,5 Prozent) wird vorzeitig wieder gelöst. Dies geht aus dem Entwurf des "Berufsbildungsberichts 2010" der Bundesregierung hervor.

Der Anteil der Jugendlichen, die zwischen Schule und Eintritt in die Berufsausbildung zunächst einen ergänzenden Grundbildungskurs besuchen, wird in dem Bericht für das Jahr 2008 auf 47,3 Prozent beziffert. 2005 lag dieser Anteil sogar bei 55 Prozent.

Nach Aussage des Bundesbildungsministeriums könne daraus allerdings nicht der Schluss gezogen werden, dass damit fast jeder zweite Schulabgänger eines Jahrganges "nicht ausbildungsreif" sei. "Die genannte Referenzgröße von 47,3 Prozent umfasst nämlich nicht nur Schulabgänger aus dem Jahr 2008, sondern auch Abgänger aus früheren Jahren", heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

Zu den 47,3 Prozent gehören also auch Ex-Schüler, die sich noch in einer Art Warteschleife befinden. Viele Jugendliche nutzten zudem die Kurse, um ihre Vermittlungschancen weiter zu verbessern.

In dem Bericht heißt es: "Nach wie vor erreicht eine große Zahl junger Menschen weder den Schulabschluss noch eine voll qualifizierende Ausbildung." Wegen der geburtenschwachen Schulabgängerjahrgänge werde die Wirtschaft aber "schon bald jeden jungen Menschen brauchen". Die Bundesregierung fordert deshalb sowohl von den Unternehmen als auch von den Ländern, sich verstärkt dieser Gruppe anzunehmen - "schon aus Eigeninteresse für die eigene Fachkräftesicherung".

Zunehmend klagten Unternehmen über Schwierigkeiten, für ihre angebotenen Ausbildungsplätze geeignete Bewerber zu finden, heißt es in dem Bericht weiter. Als Hauptursache werde bei Betriebsumfragen "mangelndes Leistungsvermögen und die unzureichende schulische Qualifikation der Bewerber" genannt. Vor allem in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel seien zehn bis 15 Prozent der angebotenen Lehrstellen nicht zu besetzen gewesen. Nachwuchsprobleme gebe es inzwischen auch bei Installateuren, Fleischern und Gebäudereinigern.

Eine Befragung des Lehrstuhls für angewandte Sozialforschung der Ruhr-Universität Bochum und des Instituts für Arbeit und Technik im nördlichen Ruhrgebiet hatte 2008 ergeben, dass rund 35 Prozent aller Betriebe Schwierigkeiten haben, geeignete Bewerber mit Hauptschulabschluss zu finden. In diesem Jahr drohen im Handwerk bis zu 10.000 Lehrstellen unbesetzt zu bleiben.

Nach dem neuen Bericht ist fast jeder zweite bis dritte Jugendliche nach seinem Schulabgang länger als ein Jahr auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. "Je länger der Schulentlasszeitpunkt zurückliegt, je schlechter das Zeugnis ausfällt, je älter der Bewerber oder die Bewerberin ist, umso schlechter sind die Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz."