Wenn die freie Wirtschaft ruft... Ex-Politiker auf lukrativen Firmenposten

Wenn die freie Wirtschaft ruft... Ex-Politiker auf lukrativen Firmenposten

Ronald Pofalla befindet sich in guter Gesellschaft. Auch andere Politiker haben sich lukrative Posten in Firmen gesichert.

Düsseldorf. Als Kanzleramtsminister war er vier Jahre enger Vertrauter von Angela Merkel. Doch nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen gab Ronald Pofalla seinen Rückzug aus der Bundesregierung bekannt, um sich „mehr dem Privatleben widmen“ zu können. Keine drei Wochen später wird nun bekannt, dass der 54-jährige CDU-Politiker in die freie Wirtschaft wechselt und bei der Deutschen Bahn einen Vorstandsposten bekleiden soll. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft. Die Liste einst mächtiger Politiker, die mittlerweile an und in der Spitze von Unternehmen oder Verbänden wirken, ist lang:

Der langjährige Staatsminister im Kanzleramt ist seit November des vergangenen Jahres Chef-Lobbyist der Daimler AG und für den Bereich Politik und Außenbeziehungen zuständig. An seinem Wechsel gab es heftige Kritik — die Opposition forderte die Bundeskanzlerin auf, von Klaeden zu entlassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Anfangsverdacht der Vorteilsnahme.

Als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident war er gleichzeitig das personifizierte soziale Gewissen seiner Partei. Seit Juni 2013 berät er den Pharmakonzern Boehringer-Ingelheim und soll vor allem die Arbeit der Unternehmensleitung begleiten. Kritik kam auf, weil er die Tätigkeit nur ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt aufnahm.

Als „Genosse der Bosse“ war er während seiner Kanzlerschaft bekannt, weil er auch mit den wichtigen Wirtschaftslenkern der Republik gut konnte. Viel Kritik musste Schröder im Dezember 2005 einstecken, weil nur wenige Wochen nach dem Regierungswechsel bekannt wurde, dass er Aufsichtsratschef des Pipeline-Konsortiums NGEP wird. Daran ist neben Eon und der BASF auch der russische Energieriese Gazprom beteiligt. Als Kanzler hatte Schröder das Geschäft rund um die Ostsee-pipeline selbst eingefädelt.

Im Mai 2010 gab der damalige hessische Ministerpräsident auf einer Pressekonferenz bekannt, dass er sein Amt aufgeben werde. Politik sei „ein faszinierender Teil meines Lebens. Aber Politik ist nicht mein Leben“, sagte Koch damals. Am 1. März 2011 begann er seine Arbeit im Vorstand des Baukonzerns Bilfinger, im Juli des gleichen Jahres wurde er Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

Drei Jahre war Müller unter Angela Merkel Staatsministerin im Kanzleramt. Im Oktober 2008 gab sie alle politischen Ämter ab und wechselte an die Spitze des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Laut Handelsblatt soll sie 2010 mit einem Anruf bei ihrer ehemaligen Chefin eine Kohlesteuer im Energiekonzept der Bundesregierung verhindert haben.

Der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit bekleidete seit 2006 zahlreiche Posten bei Unternehmen. Clement wurde Mitglied im Aufsichtsrat bei der RWE Power AG sowie beim Dienstleistungskonzern Dussmann, bei der Versatel AG und dem Kölner Zeitungsverlag DuMont Schauberg. Nach heftiger Kritik aus seiner Partei und gescheiterten Ausschlussverfahren, trat Clement 2008 selbst aus.

Der frühere Bundeswirtschaftsminister war von 1992 bis 1999 EU-Kommissar für Industriepolitik und Telekommunikation. Sein Wechsel zum spanischen Telefónica-Konzern brachte ihm daher Kritik ein. Zudem wurde er Mitglied des Aufsichtsrat der Hunziger Information AG.

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