Warum Schoko-Zigaretten fast verboten worden wären

Warum Schoko-Zigaretten fast verboten worden wären

EU-Abgeordnete haben das Ende des Naschwerks beschlossen, ohne es zu merken. Nun soll nachgebessert werden.

Brüssel. Aus für die Schoko-Zigarette? Schluss mit der Marzipan-Zigarre? Keine tönerne Pfeife mehr, die Weckmänner und Stutenkerle vor dem dicken Hefeteig-Bauch tragen? Gefahr droht dem Naschwerk mal wieder aus Europa. Als Spaßbremse hat sich das EU-Parlament betätigt. Es fasste einen Beschluss, wie der Verkauf von Zigaretten und Tabakerzeugnissen strenger geregelt werden soll. Hauptziel: Jugendliche gar nicht erst auf die schiefe Bahn zur Nikotin-Sucht gelangen lassen.

Somit waren nicht nur Warnhinweise und Schock-Fotos auf der Packung angezeigt. Es erschien auch verdächtig, was aus Schokolade oder Lakritz besteht, aber wie Zigarette aussieht. Also verabschiedeten die Abgeordneten einen Passus, wonach „imitierte Tabakerzeugnisse, die für Minderjährige attraktiv sein können und einen potenziellen Einstieg in den Konsum von Tabakerzeugnissen bieten können, verboten werden“.

Das Problem: Die meisten Abgeordneten hatten in der Flut der Anträge längst den Überblick verloren und gar nicht gemerkt, wofür sie da stimmten. „Wir hatten das nicht auf dem Radar“, räumt der CDU-Abgeordnete Peter Liese freimütig ein. Er gehört zu jenen, die nun finden: Zigaretten aus Tabak zulassen, aus Schokolade verbieten — das ist Unsinn.

Nur: Beschluss ist Beschluss, nachträgliche Korrekturen sind nicht vorgesehen. Doch Gott sei Dank ist die neue Richtlinie noch nicht verabschiedet. Der Text muss bis Jahresende mit dem Ministerrat ausgehandelt werden. Im Parlament herrscht daher die diskrete Hoffnung, dass der Rat die Klausel gegen imitierte Tabakprodukte wieder streicht . . .

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