Schwerpunkte in NRW und Bayern: Warnstreiks: Worum es beim Metallkonflikt geht

Schwerpunkte in NRW und Bayern: Warnstreiks: Worum es beim Metallkonflikt geht

Die IG Metall will mehr Geld und kürzere Arbeitszeiten, zum Teil mit Lohnausgleich. Aus Sicht der Arbeitgeber ist das ein Affront.

Düsseldorf. Die Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie haben so viele Aufträge wie nie. Auf Rekordniveau befindet sich auch die Zahl der Beschäftigten. Besser könnte der Zeitpunkt für eine kräftige Lohnerhöhung nicht sein. Aber statt sich darauf zu konzentrieren, widmet sich die IG Metall in der Tarifauseinandersetzung dem schwierigen Thema Arbeitszeit. Was geht in der Gewerkschaft vor?

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld. Zudem soll jeder Beschäftigte das Recht erhalten, seine Wochenarbeitszeit für maximal zwei Jahre von 35 auf 28 Stunden zu reduzieren und später wieder zur Vollzeit zurückzukehren. Alle Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder sowie Beschäftigte, die zu Hause Angehörige pflegen, sollen zudem einen Teil-Lohnausgleich erhalten. Nach Angaben der Gewerkschaft entspricht diese Forderung dem Wunsch der Beschäftigten, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.

Offen ist allerdings, wie viele Mitarbeiter in den Genuss der kürzeren Arbeitszeit mit Teil-Lohnausgleich kommen könnten. Die Arbeitgeber befürchten mehr als zwei Drittel. Es drohe ein Einstieg in die 28-Stunden-Woche, warnt Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. „Uns fehlt heute schon das Personal, um die Aufträge hier in den deutschen Werken abarbeiten zu können. Den Engpass darf man nicht noch verschärfen“, so Dulger. Gesamtmetall strebt flexible Arbeitszeitmodelle an, die eine Ausweitung auf eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ermöglichen. Beim Lohn bieten die Arbeitgeber einen Zuschlag von zwei Prozent an.

Die IG Metall argumentiert, dass nur 40 Prozent der insgesamt 3,9 Millionen Beschäftigten in der Branche Anspruch auf verkürzte Arbeitszeit mit Lohnausgleich hätten. Nur ein kleiner Teil davon wolle beruflich kürzer treten. IG-Metall-Chef Jörg Hoffmann sieht die Unternehmen in der Pflicht. „Es gibt die soziale Mitverantwortung der Arbeitgeber, denn Eigentum verpflichtet“, so Hoffmann. Ein genereller Einstieg in die Vier-Tage-Woche sei nicht geplant, es müssten vielmehr moderne Arbeitsverhältnisse begründet werden.

Die starke Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten stärkt der IG Metall den Rücken. Längere Streiks wollen die Arbeitgeber auf jeden Fall vermeiden. Das Angebot an Arbeitskräften ist knapp und begrenzt weiteres Wachstum. Die Unternehmen müssen versuchen, ihre Leute zu halten. Gelingt das nicht, bleibt nur der Weg, mit großem Aufwand neue Kräfte anzuwerben oder Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern.

Der Experte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sieht die Gewerkschaften deshalb bei den Verhandlungen in einer starken Position. „Durch die zunehmende Arbeitskräfteknappheit wird es in den Lohnrunden enger für die Arbeitgeber“, meint Weber.

Die Bundesbank erwartet für 2018 einen höheren Anstieg der Löhne als in den vergangenen Jahren. Dies werde Waren und Dienstleistungen verteuern. Das Ifo-Institut in München geht davon aus, dass die Bruttolöhne in diesem Jahr um 3,4 Prozent und 2019 um weitere 3,5 Prozent steigen werden.

Jeder zusätzliche Lohn-Prozentpunkt würde die Arbeitgeber laut Gesamtmetall rund zwei Milliarden Euro im Jahr kosten. Die finanziellen Folgen der geforderten Arbeitszeitverkürzung seien wegen der unklaren Teilnehmerzahlen nicht absehbar. Gestützt auf ein Rechtsgutachten halten die Arbeitgeber die Ausgleichszahlungen ohnehin für illegal, weil damit Teilzeitkräfte benachteiligt würden, die schon jetzt freiwillig weniger arbeiten.

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