Schweinegrippe: Wie das Virus unser Leben verändert

Schweinegrippe: Wie das Virus unser Leben verändert

Vorsicht Weihwasser: Im Kampf gegen die neue Influenza gibt es viele kreative Ideen.

Düsseldorf. Nach den jüngsten Zahlen sind in Deutschland bisher 8619 Fälle der Schweinegrippe nachgewiesen. Die Zahl der Neuinfektionen steigt. Einen Impfstoff gibt es noch nicht. Hilft nur Vorbeugung. Aber wie? Einige Beispiele aus unserer Region.

Die Agentur für Arbeit und die Arge in Mönchengladbach haben mehr Desinfektionsmöglichkeiten bereit gestellt und ihren Angestellten geraten, einen "Handschlag" mit Klienten zu vermeiden. "Diese Distanz fällt manchem unserer Mitarbeiter extrem schwer", sagt Geschäftsführer Klaus Müller.

Bei den Wuppertaler Stadtwerken soll auf internen Konferenzen das Händeschütteln vermieden werden. Und das Wuppertaler Versicherungsunternehmen Barmenia hat nicht nur im Haus Plakate mit Hygiene-Tipps aufgehängt, sondern will in den einzelnen Abteilungen auch Hygienespender anbringen.

Bei Zwilling, einem der größten Solinger Arbeitgeber mit 650 Mitarbeitern, gibt es neue Kantinenregeln: Besteck gibt es nicht mehr aus großen Boxen, in die jeder hineingreift, sondern direkt aufs Tablett. Essig- und Ölflaschen wurden verbannt und durch Einweg-Portionen ersetzt.

Was kann man in der Kirche tun, um die Übertragungsgefahr der Schweinegrippe zu vermeiden? Pastor Jack Honings aus Posterholt (Gemeinde Roerdalen bei Roermond) hat für seine grenznahen Pfarren dies geregelt: Seit letztem Wochenende sind die Weihwasserbecken in den von ihn betreuten Kirchen leer.

Für jede Taufe wird das Taufwasser neu geweiht, so dass immer frisches geweihtes Wasser für die Taufzeremonie zur Verfügung steht. Auch empfiehlt Honings den Gläubigen, sich in der Kirche nicht zu nahe zu kommen und derzeit von dem Friedensgruß mittels Händeschütteln abzusehen.

"Alle größeren Behörden und Firmen denken darüber nach, wie man die Übertragung des Virus verhindern kann. Das muss auch die Kirche tun", meint der Pfarrer.

Doch damit scheint er allein zu stehen. Dass die katholische Kirche wegen Ansteckungsgefahr nun flächendeckend die Weihwasserbecken leere und den Friedensgruß zwischen den Gläubigen im Gottesdienst aussetze, weist Christoph Heckeley, der Sprecher des Erzbistums Köln, zurück: "Das stimmt nicht. Wir beobachten schon die Lage und holen uns medizinischen Rat, aber solche Empfehlungen oder Anordnungen gibt es nicht."

Auch von der Evangelischen Kirche in Düsseldorf heißt es: Es gibt keine Änderungen im Gottesdienst, auch nicht bei der Verteilung des Abendmahls.

Die Karnevalisten machen sich Gedanken übers Bützen (Küssen). Der Bussi-Gruß der Jecken sollte nach Ansicht des Vorsitzenden des Düsseldorfer Carnevals Comitees, Engelbert Oxenfort, in dieser Session möglichst unterbleiben.

Wie er das durchsetzen will, ist offen. Die 2000 Beschäftigten der Düsseldorfer Provinzialversicherung werden mit Plakaten vor der Begrüßung per Handschlag gewarnt. Den Vorgesetzten geht der Schutz der Beschäftigen vor Höflichkeit.

Zusätzlich hängen neben den Waschbecken Anweisungen zum Händewaschen: 10 bis 15 Sekunden lang und auch die Nägel nicht vergessen, lautet die Empfehlung. Eine Supermarktkette verkauft Mundschutz - zehn Stück für 69 Cent.

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