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Persönliche Ängste treiben der AfD Wähler zu

Persönliche Ängste treiben der AfD Wähler zu

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung beschäftigt sich in einer Studie damit, warum Menschen für Rechtspopulismus anfällig sind.

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Berlin. Nicht nur Ängste vor der Zuwanderung lassen Wähler ihre Kreuz bei der AfD machen, sondern auch eine besonders stark ausgeprägte Sorge um die eigene Zukunft und das Gefühl, zum Verlierer auf dem Arbeitsmarkt zu werden. Das geht aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde.

Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein. Immerhin drei von vier Bundesbürgern bezeichnen in einer aktuellen Befragung die wirtschaftliche Lage in Deutschland als gut oder sehr gut. 56 Prozent sehen auch ihre eigene finanzielle Situation positiv. Gleichzeitig wächst aber auch die Verunsicherung. Und davon profitiert die AfD. So macht sich gut jeder dritte Bürger Sorgen über die Kriminalität und Gewalt in seinem Wohnumfeld.

Unter den AfD-Wähler sind es fast doppelt so viele. Ähnlich krass ist der Unterschied beim Thema Migration: Während 44 Prozent aller Befragten der Aussage zustimmen, dass man sich durch Zuwanderung fremd im eigenen Land fühle, sind es bei den AfD-Anhängern 83 Prozent. Rund 45 Prozent aller Befragten mit Kindern sorgen sich darüber hinaus um die Zukunft ihres Nachwuchses. Unter den AfD-Wählern sind es 60 Prozent.

Dabei ist die Vorliebe für rechtspopulistisches Gedankengut längst nicht nur ein Phänomen in den weniger gut betuchten Bevölkerungskreisen. „Auch Menschen mit besonders hohen Nettoeinkommen weisen im Vergleich zur oberen Mittelschicht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit auf, AfD zu wählen“, heißt es in der Studie. Obwohl ihr Mitbegründer Bernd Lucke, ein Wirtschaftsprofessor, längst der politischen Vergangenheit angehört, übt die AfD also offenbar nach wie vor eine gewisse Anziehungskraft auch für rechtskonservative Intellektuelle aus.

Bei den Berufsgruppen sind laut Studie allerdings die Arbeiter überrepräsentiert. Dagegen wählt, wer keine Arbeit hat, „nicht häufiger AfD als der Rest der Bevölkerung“. Vor diesem Hintergrund erklärt sich dann wohl auch, dass das persönliche monatliche Nettoeinkommen von AfD-Wählern mit durchschnittlich 1664 Euro nur unwesentlich unter dem Mittelwert bei allen Beschäftigten (1682 Euro) liegt.

Die Studientautoren schließen daraus, dass die Motivation, AfD zu wählen, weniger auf die objektive soziale Situation zurückzuführen ist, sondern in erster Linie „auf die subjektive Wahrnehmung der eigenen Lebenslage“. So beurteilen zum Beispiel 26 Prozent aller Erwerbstätigen ihre Arbeitsplatzsituation skeptisch. Bei den AfD-Wählern sind es mit 34 Prozent deutlich mehr. Gerade die Situation im Job spiele eine wichtige Rolle für das Fruchten rechtspopulistische Positionen, so die Experten.

Wenn das Arbeitsverhältnis keinem Tarifvertrag unterliege, oder Job befristet sei, würden Betroffene „deutlich wahrscheinlicher“ der AfD zuneigen, als Personen mit einer festen und tariflich gebundenen Beschäftigung. Keinen Unterschied mache dagegen die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, heißt es in der Studie. Das bedeutet: Arbeiter mit Gewerkschaftsausweis sind genauso häufig anfällig für rechtspopulistische Positionen wie unorganisierte Arbeiter.

Nach Einschätzung von DGB-Chef Reiner Hoffmann ist die Untersuchung ein Beleg für die Notwendigkeit guter und sicherer Arbeitsplätze. „Wer noch mehr Zeitarbeit will, mehr Befristung oder die Arbeitszeit deregulieren will, hat nicht verstanden, was auf dem Spiel steht“, warnte Hoffmann.