TV-Duell: Nach Punktsieg für Laschet: Debat-O-Meter geht in zweite Runde

TV-Duell: Nach Punktsieg für Laschet: Debat-O-Meter geht in zweite Runde

Teilnehmer des Debat-O-Meters bewerteten das TV-Duell am Dienstag in Echtzeit — und kürten Armin Laschet zum Gewinner. Am Donnerstag steht das zweite Duell an. Auch hier können Zuschauer live Bewertungen abgeben.

Nein, es war nicht ihr Abend: Beim TV-Duell (=> zum Leitartikel von Ulli Tückmantel) gegen CDU-Mann Armin Laschet konnte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nicht überzeugen — zumindest die Mehrheit jener 801 Zuschauer nicht, die beim „Debat-O-Meter“ die Debatte in Echtzeit bewerteten. Bei ihnen punktete Laschet. Krafts Image hingegen nahm eher Schaden.

Das Debat-O-Meter ist eine Online-Anwendung, mit der Zuschauer TV-Debatten in Echtzeit bewerten können, entwickelt von der Uni Freiburg. Nach Erfahrungen in Schleswig-Holstein und bei internationalen Debatten kam die Technik am Dienstag erstmals in NRW zum Einsatz — mit unserer Zeitung als Medienpartner. Eine Stimme pro Sekunde konnten angemeldete Zuschauer abgeben. Das Spektrum reichte von ++ (sehr positiv) bis -- (sehr negativ). 270 000 Einzelbewertungen werteten die Wissenschaftler im Anschluss aus. Zudem gab es vor und nach dem Duell Befragungen zur politischen Einstellung. Rund 800 Zuschauer machten mit.

Die meisten — nämlich 53,7 Prozent — gaben an, unter 30 Jahren alt zu sein. 22 Prozent waren demnach älter als 50. Männer waren mit 73,8 Prozent überproportional vertreten, ebenso höhere Bildungsabschlüsse: 43,7 Prozent bezeichneten sich als Hochschulabsolventen. 30,5 Prozent gaben das Abitur als höchsten Bildungsabschluss an.

„Die Daten sind somit nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung von NRW“, betonen die Forscher. Gleichwohl könne man sehr wohl Aussagen über bestimmte Gruppen treffen. Etwa über Parteisoldaten. Oder Unentschlossene. Besonders letztere sind für die Wissenschaftler interessant — in dieser Gruppe könne man die Wirkung eines TV-Duells deutlich bestimmen, sagt Projektleiter Professor Uwe Wagschal: „Ein Parteisoldat steht sowieso zu seinem Kandidaten.“

Der Blick in die Vorbefragung verrät, wessen Parteisoldaten es besonders ins Debat-O-Meter zog: 55,7 Prozent gaben sich als CDU-Anhänger zu erkennen, während nur 13,4 Prozent der SPD zuneigten. Der Vorteil für Laschet ließ sich also erahnen. Aber immerhin 17,8 Prozent gaben an, noch unentschlossen zu sein. In dieser Gruppe konnte der CDU-Mann neue Anhänger gewinnen: Satte 70,7 Prozent gaben nach dem Duell an, sie würden Laschet gern per Direktwahl zum Ministerpräsidenten küren. 18,3 Prozent würden Kraft ins Amt heben.

Gleicher Trend bei der Gesamtbewertung: Hier konnten die Debat-O-Meter-Teilnehmer eine Bewertung von -2 (sehr schlecht) bis +2 (sehr gut) abgeben. Vor dem Duell lag Laschet bei den Unentschlossenen bei 0,19 Punkten. Nach dem Duell landete er in dieser Gruppe bei 0,94. Hannelore Kraft hingegen verlor sogar noch: von im Mittel -0,19 vor der Debatte auf -0,49 danach.

Im TV-Duell ging es um vier Themenblöcke: Innere Sicherheit, Integration, Bildung und Soziale Gerechtigkeit, wobei hier Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung im Mittelpunkt standen.

Die Amtsinhaberin bekam von den Unentschlossenen besonders bei Arbeits- und Wirtschaftsthemen gute Noten. Laschet punktete mit seinen Ideen zu innerer Sicherheit und Bekämpfung von Kriminalität. Hier erhielt Kraft die schlechtesten Noten. Die gab es für den Herausforderer beim Thema Betreuung.

Die lebhafte, zeitweise laute und anstrengende Diskussion half letztlich nicht allen Unentschlossenen: 25,6 Prozent wollten sich hinterher immer noch nicht auf eine Partei festlegen. Nun: Ein paar Tage und ein weiteres TV-Duell haben sie noch Zeit:

Am Donnerstag, 4. Mai, ab 20.15 Uhr stellen sich Kraft und Laschet erneut in der Wahlkamp-Arena des WDR der Debatte. Dann sind auch die Spitzenkandidaten der anderen Parteien mit von der Partie: Sylvia Löhrmann (Grüne), Christian Lindner (FDP), Michele Marsching (Piraten), Marcus Pretzell (AfD) und Özlem Alev Demirel (Linke) diskutieren mit. Auch für diese Runde wird wieder ein Debat-O-Meter geschaltet. Ab 19 Uhr ist die Anmeldung möglich.

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