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Missstände in Pflegeheimen: Senioren ans Bett gefesselt

Missstände in Pflegeheimen: Senioren ans Bett gefesselt

Jeder fünfte Heimbewohner ist betroffen — oft ohne Anordnung eines Richters. Verbesserungen bei Ernährung.

Berlin. Trotz Verbesserungen leiden hunderttausende Bewohner von Pflegeheimen unter oft eklatanten Missständen. Jeder Fünfte (rund 140 000) wird mit Gittern oder Gurten ans Bett oder an den Rollstuhl gefesselt.

Bei jedem Zehnten davon (14 000) fehlt die eigentlich vorgeschriebene richterliche Anordnung. Das geht aus dem neuen Qualitätsbericht zur Pflege hervor, den die Krankenkassen am Dienstag vorstellten. In den Heimen leben derzeit rund 700 000 Menschen.

Gernot Kiefer, Vorstand des Kassenverbands, sagte: „Die gute Nachricht ist, dass sich die Qualität der Pflege positiv weiterentwickelt hat. Aber es gibt noch viel zu tun.“

Im Vergleich zum Qualitätsbericht 2007 gab es demnach zum Beispiel Verbesserungen bei der Unterstützung beim Essen und Trinken für Menschen, die dement sind oder Schluckbeschwerden haben. 134 000 Menschen mit erhöhtem Risiko zum Wundliegen erhalten laut dem Bericht aber weiterhin nicht genug Schutz dagegen.

Der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Kassen, Peter Pick, nannte die Qualität der Pflege „überwiegend gut“. Jedoch werde in zentralen Versorgungsbereichen wie Ernährung oder Wundliegen eine relevante Gruppe von 20 bis 40 Prozent der Pflegebedürftigen „nicht entsprechend den anerkannten Standards einer guten Pflege gepflegt“.

Ein Riesenproblem ist die Zuwendung für Demenzkranke — sie machen bereits 61 Prozent der Heimbewohner aus. In den kommenden 50 Jahren wird sich ihre Zahl voraussichtlich auf 2,5 Millionen mehr als verdoppeln. Zentral für diese Menschen sind den Kassen zufolge Bewegung und Beschäftigung. Doch trotz Verbesserungen bekämen rund 100 000 von gut 420 000 Heimbewohnern zu wenig davon.

Der Deutsche Ethikrat forderte einen menschlicheren Umgang mit Demenzkranken. Dies stelle nicht nur die Pflege und Betreuung, „sondern auch die Gesellschaft insgesamt vor eine große Herausforderung“, hieß es. Red