Missbrauch - Erzbistum plant externe Kommission

Missbrauch - Erzbistum plant externe Kommission

Berlin (dpa). In dem Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern in katholischen Einrichtungen will das Erzbistum Berlin den Opfern mehrere externe Ansprechpartner bieten.

Die Bildung einer Kommission gehe gut voran, sagte Bistums-Sprecher Stefan Förner am Montag. „Die Kommission soll ihre Arbeit so schnell wie möglich aufnehmen.“

Es gäbe eine Liste mit Namen möglicher Mitglieder. Die Besetzung werde allerdings erst bekanntgegeben, wenn die Gruppe ihre Aufgabe offiziell aufnehme. Die Kommission soll die Arbeit des derzeitigen Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums, Stefan Dybowski, übernehmen. Dybowski hatte darum gebeten, von seinem Amt entbunden zu werden - schon bevor Ende Januar die ersten Missbrauchsfälle am Canisius- Kolleg bekanntgeworden waren.

Das habe strukturelle Gründe, sagte Förner. Dybowski war 2002 zum Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums ernannt worden. Mittlerweile ist er auch Domprobst und leitet zugleich die Seelsorge-Abteilung im Ordinariat. Dadurch habe er eigener Einschätzung nach nicht die nötige Distanz zu möglichen Tätern, sagte Förner.

Mit der externen Kommission sollen Missbrauchsopfer auch Ansprechpartner außerhalb der katholischen Kirche erhalten. Geplant sei, dass die Mitglieder verschiedene Kompetenzen hätten, sagte Förner. So sollen die Mitglieder beispielsweise aus dem polizeilichen sowie dem psychologischen Bereich kommen. Hinzu komme, dass die Kommission aus Männern sowie Frauen bestehen solle. Auf diese Weise solle auf die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Opfer eingegangen werden können, so Förner.

Nachdem erste Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg bekanntgeworden waren, zog der Skandal immer weitere Kreise. Bundesweit meldeten sich mittlerweile mehr als 150 Betroffene, die von sexuellen Übergriffen in katholischen Schulen und Heimen berichten. In Berlin gibt es jetzt auch Vorwürfe gegen ein Kinderheim der Hedwigschwester. Eine ehemalige Bewohnerin berichtete in der ZDF-Sendung „Mona Lisa“ am Sonntag, dass sie in den 50er und 60er Jahren von einer Nonne über Jahre hinweg missbraucht wurde.

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