Lehrerstellen in NRW werden immer weniger besetzt

Schulbeginn 2019 : Lehrerstellen in NRW werden immer weniger besetzt

Vor Beginn des neuen Schuljahres fehlen Lehrer in Grund- und Förderschulen. NRW startet mit G9 – und dem Digitalpakt.

Der akute Lehrermangel in Nordrhein-Westfalen hat sich verschärft. Wenn am 28. August das neue Schuljahr beginnt und mit Ausnahme von drei Schulen (zwei in Bielefeld, eine in Hilden) alle 600 Gymnasien in den 5. und 6. Klassen erstmals wieder auf den neunjährigen Bildungsgang G9 umstellen, werden in der gesamten Schullandschaft zu wenige Lehrer an Bord sein.

Nur knapp 58 Prozent der im Sommer ausgeschriebenen 10.000 Stellen konnten besetzt werden, im Vorjahr waren es 62 Prozent. „Der Lehrermarkt ist leer gefegt“, sagte gestern Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). „Wir drehen jeden Stein um, damit offene Stellen besetzt werden können.“ Vor allem Grundschullehrer und Sonderpädagogen für Förderschulen oder betreuungsbedürftige Kinder an Regelschulen fehlen – in den nächsten zehn Jahren allein 2000 Sonderpädagogen.

Das Versprechen auf eine Anhebung der Bezüge für Grundschullehrer auf A13, das Gebauer grundsätzlich gegeben hatte, weil sich die Ausbildungszeiten im Vergleich mit Sek II-Lehrern angeglichen haben, kann die Bildungsministerin noch nicht einlösen. „Da kann ich keinen Zeitpunkt nennen. Das bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung“, sagte Gebauer. Staatssekretär Matthias Richter (FDP) befand, mehr Geld löse das Problem nicht. Das bestehe nämlich in fehlenden Studienplätzen, zwei Drittel der Studenten würden an Universitäten abgelehnt. „Das ändern wir, wir haben jetzt 600 neue Studienplätze geschaffen. Wenn das in den vergangenen Jahren jährlich passiert wäre, hätten wir heute kein Problem“, sagte Richter.

Trotz der Schwierigkeiten bei aktuell ausgeschriebenen Stellen liege die Besetzungsquote bei allen 160 000 Lehrerstellen in NRW mit mehr als 200 000 Lehrkräften (inklusive Teilzeitstellen) weiterhin bei 96 Prozent. Dabei helfen bei den 5685 neu zu besetzenden Stellen zum Beispiel 559 Seiteneinsteiger. Auch andere Maßnahmen „fruchten besser“: 818 Pensionäre helfen im Schuldienst (2017 noch 415), 158 Arbeitsverträge bekamen Sek II-Lehrer, die sich zunächst in Grundschulen anstellen ließen.

Die Kosten der Umstellung auf G9 übernimmt das Land

Für G9 gilt: 139 000 Schüler steigen im neuen Bildungsgang ein, dann auch mit acht Wochenstunden in dem neuen Schulfach „Wirtschaft/Politik“. Innerhalb eines Jahres seien 21 Kernlehrpläne überarbeitet worden, das sei eine „nie dagewesene Leistung“, sagte Gebauer. Die Kosten der Umstellung in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro übernimmt das Land.

Zum neuen Schuljahr steht auch die Förderrichtlinie zur Umsetzung des Digitalpakts, mit dem der Bund Schulen digital aufrüsten will. Insgesamt 1,054 Milliarden Euro erhält NRW über fünf Jahre, im Schnitt kann also jede Schule mit Mitteln in Höhe von 180 000 Euro rechnen, die Schulträger werden aber über ein zugewiesenes Budget nach Bedarf fördern, den Kreises und Städten wird das Förderbudget zu 75 Prozent nach der Schülerzahl und zu 25 Prozent nach der Schlüsselzuweisung des Gemeindefinanzierungsgesetz zugewiesen. Der Eigenanteil der Schulen beträgt zehn Prozent.

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