Wohlfahrtsverband beklagt „ungebremste Armutsentwicklung“ im Revier

Wohlfahrtsverband beklagt „ungebremste Armutsentwicklung“ im Revier

Nordrhein-Westfalen konnte den Negativ-Trend stoppen, im Ruhrgebiet geht es aber weiter bergab. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt in seinem Armutsbericht vor „einem armutspolitischen Erdrutsch“.

Berlin/Dortmund (dpa). Im Ruhrgebiet hat sich nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands die „völlig ungebremste Armutsentwicklung“ fortgesetzt. Im größten deutschen Ballungsgebiet seien 19,2 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht, heißt es im „Armutsbericht 2013“, den der Verband am Donnerstag in Berlin vorstellte.

In Dortmund und Duisburg gilt demnach sogar jeder Vierte als armutsgefährdet. In beiden Städten ist wie im gesamten Revier die Armutsquote weiter gestiegen. In Dortmund habe die Quote im Vergleich zu 2011 um 2,2 Prozentpunkte auf 26,4 Prozent zugenommen, in Duisburg um 1,6 Punkte auf 25,1 Prozent. In Duisburg liege sie inzwischen um fast 50 Prozent höher als 2005. Das komme einem „einem armutspolitischen Erdrutsch“ gleich.

In Nordrhein-Westfalen insgesamt sieht die Situation laut Studie etwas besser aus. Mit einer unveränderten Armutsquote von 16,6 Prozent sei der Negativtrend der Vorjahre erstmalig gestoppt worden. Dies sei auf „sehr günstige Entwicklungen“ in den Regionen Aachen (minus 1,1 Prozentpunkte), (minus 0,9 Punkte) und Paderborn (minus 2,1 Punkte) zurückzuführen. Für ganz Deutschland hat der Paritätische Wohlfahrtsverband eine Armutsquote von 15,2 Prozent errechnet. Das sei „ein neuerliches, trauriges Rekordhoch„.

„Ganze Regionen befinden sich in Abwärtsspiralen aus wachsender Armut und wegbrechender Wirtschaftskraft. Hier brauchen wir eine gezielte finanzielle Förderung und soziale Programme, um der Verödung entgegenzuwirken“, sagte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Grundlage für die Untersuchung bildet der jüngste Mikrozensus (kleine Volkszählung). Als von Armut bedroht gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zu Verfügung hat. Zur Zeit sind dies - je nach Berechnungsformel - weniger als 869 Euro im Monat (Singlehaushalt), beziehungsweise weniger als 1 826 Euro (Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren).

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