Wo in NRW die Lehrer fehlen

Die neue Erhebung des Schulministeriums offenbart enorme Lücken.

Wo in NRW die Lehrer fehlen
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Düsseldorf. Bunt sind die Plakate. „Wirste Lehrer — machste schlauer!“ steht auf einem. „Ein Leben lang Influencer? Kannste haben!“ Die Not im Schulministerium ist wahrhaft groß. Aktuell fehlen schulübergreifend 1784 Lehrerstellen, das heißt: 1784 Mal Aushilfe, Aus- oder Wegfall von Unterricht. Die Not ist so groß, dass die Personalmarketing-Agentur „Junges Herz“ aus Dresden die vom Schulministerium beauftragte Kampagne gegen den Lehrermangel farblich quietschend ausgelegt hat. Jedem wird klar: Es braucht mehr Lehrer in NRW. Zwei Millionen Euro investiert das Schulministerium allein in diesem Jahr in die Kampagne. „Bunte Bilderchen helfen nicht“, wendet die SPD sogleich ein. Aber wie viele Lehrer fehlen nun eigentlich?

Eben das war die letzten Male 2001, 2007 und 2011 erhoben worden. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) findet das angesichts falsch prognostizierter Geburtenraten und Flüchtlingszuzug von 90 000 zu beschulenden Kindern in 2015 und 2016 „fahrlässig“ von der Vorgängerregierung.

Gebauer hat jetzt eine Bedarfsprognose bis 2039/40 erheben lassen — und will sie jährlich erneuern. Wichtigste Erkenntnis: In den nächsten 20 Jahren werden 85 Prozent des Lehrerpersonals erneuert. Und das Personal, das dafür gebraucht wird, fehlt ohne Gegensteuerung absehbar in großer Zahl. An Grundschulen etwa werden innerhalb der nächsten zehn Jahre 3400 Lehrer fehlen. Erste Maßnahmen dagegen haben nicht gegriffen. Das Angebot, Arbeitslose mit Lehramt für die Sekundarstufe II zwei Jahre lang an einer Grundschule unterrichten zu lassen und sie danach verpflichtend an einer Sek II-Schule zu beschäftigen, haben bislang nur 73 Lehrer angenommen.

Viele seien sich der Konkurrenz im gymnasialen Zweig und in der Oberstufe der Gesamtschule nicht bewusst, sagte Gebauer und kommunizierte am Mittwoch eine Zahl, die abschreckt: In den nächsten zehn Jahren werde es für Gymnasien in den Fächern abseits der Mint-Fächer einen Überhang von 16 000 Lehrern geben. „Ich glaube, dass sich angesichts dessen unser Angebot noch manche überlegen werden“, sagte Gebauer. Der Bedarf werde erst wieder steigen, wenn zum Schuljahr 2026/27 erstmals wieder neun statt acht Jahrgangsstufen zu beschulen seien. Eine Maßnahme: 200 Studienplätze in NRW mehr für Grundschule.

Haupt-, Real, Sekundar- und Gesamtschulen fehlen auf zehn Jahre bis zu 8000 Lehrer, dem Berufskolleg 3000, der Sonderpädagogik 1000 Lehrer. Die Maßnahme der Vorgängerregierung, pensionierte Beamte zurückzuholen, habe „fast gar nichts gebracht“, so Gebauer. Die wohl beste Maßnahme gegen den Mangel, vor allem Grundschullehrer besser zu bezahlen, werde derzeit „besprochen“, sagt Gebauer. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und angemessene Arbeitsbedingungen — das sei die Lösung, sagte Stefan Behlau, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW.