Von Wuppertal bis Köln: NRW-Kommunen setzen auf Elektrobusse

Von Wuppertal bis Köln: NRW-Kommunen setzen auf Elektrobusse

Leise und vor allem ohne Gestank und Schadstoffausstoß - Elektrobussen soll in den Städten die Zukunft gehören. Doch bevor es so weit ist, müssen Land, Bund und EU viel Geld zuschießen.

<

p class="text">

Düsseldorf. Der Einsatz von Elektrobussen in Nordrhein-Westfalen nimmt langsam Fahrt auf. Bis zum Jahr 2020 sollen in nahezu allen Großstädten Busse mit alternativen Antrieben unterwegs sein, wie eine Umfrage der Deutschen-Presse-Agentur ergab. Wegen der hohen Anschaffungskosten allerdings zunächst nur in kleiner Zahl und mit hoher öffentlicher Förderung. Ein Elektrobus kostet mit etwa 700 000 Euro mehr als das Doppelte eines Dieselbusses der neuesten Euro-VI-Norm. Bislang haben die kommunalen Nahverkehrsunternehmen in NRW auch deshalb kaum mehr als 30 reine Elektrobusse im Einsatz.

Besonders weit sind die Kölner Verkehrs-Betriebe. Sie befahren bereits seit Dezember 2016 eine Linie vom Hauptbahnhof zum Südfriedhof komplett mit E-Bussen. Auf der sieben Kilometer langen Strecke sind acht Busse mit Batterie unterwegs. Bis 2021 soll sogar ein Viertel der gesamten KVB-Busflotte grün unterwegs sein. Für den Kauf von weiteren 50 E-Bussen hat das Land erst kürzlich einen Zuschuss von gut 13 Millionen Euro zugesagt.

In Münster fahren fünf Busse elektrisch durch die Innenstadt, in diesem Jahr sollen weitere sieben Ökobusse dazukommen. Auch in Bonn und Oberhausen rollen bereits die ersten E-Busse über die Straßen. Die Aachener Verkehrsbetriebe haben 14 Fahrzeuge bestellt, ein Bus fährt bereits seit dem vergangenen Jahr. In Bochum wurde im Dezember die Anschaffung von zehn Bussen mit Elektromotor beschlossen, die Düsseldorfer Rheinbahn will 2019 zehn Batteriebusse anschaffen, 2021 weitere zehn mit schadstofffreiem Antrieb. In Dortmund sollen bis 2020 bis zu 15 E-Busse fahren, Essen plant für 2020 einen Test auf zwei Linien.

Ohne öffentliche Zuschüsse geht beim E-Bus derzeit aber noch nichts. Denn neben den Bussen müssen auch Ladestationen finanziert und Werkstätten umgebaut werden. Einheitliche Lösungen gibt es dafür nicht. In Köln und Münster setzt man derzeit auf Busse mit kleinen Batterien, die an den Endhaltestellen aufgeladen werden. „Der Akku im Heck wird in fünf bis zehn Minuten aufgeladen, so dass der Bus nach seiner normalen Wendezeit wieder einsatzbereit ist“, heißt es bei Stadtwerken Münster. Bonn testet dagegen sechs Busse mit größeren Batterien, die nur nachts auf dem Betriebshof geladen werden - mit grünem Strom, wie die Stadtwerke versichern.

Einen anderen Weg schlägt Wuppertal ein. Dort sollen zehn Brennstoffzellen-Busse mit Wasserstoff angetrieben werden. „Das ist wegen der größeren Reichweite besser“, sagt Stadtwerkesprecher Holger Stephan. In der bergischen Stadt müssen die Busse häufig Steigungstrecken bewältigen - das fordert die Batterien. Der Wasserstoff soll in der städtischen Müllverbrennungsanlage erzeugt werden. Der dafür benötigte Strom sei als grüner Strom zertifiziert. Busse und Produktionalage kosten elf Millionen Euro, hauptsächlich von der EU finanziert.

Nach einer Übersicht der Beratungsgesellschaft PwC haben die NRW-Nahverkehrsbetriebe insgesamt knapp 100 Batteriebusse und 40 Busse mit Brennstoffzellen zu Lieferung bis 2020 bestellt. PwC rechnet in den kommenden Jahren mit einer Zunahme der Bestellungen. „Der Markt für alternative Antriebe wird erheblich wachsen.“ Entscheidend sei dafür eine ausreichende Ladeinfrastruktur. „Letztendlich ist das der Wegbereiter für den Ausbau“, sagt PwC-Experte Maximilian Rohs.

„Ein schnelles Mittel gegen drohende Dieselfahrverbote in Innenstädte sind die E-Busse allerdings nicht“, betont ein Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. Noch seien Busse zu teuer - auch weil es zu wenig Wettbewerb auf dem Markt gebe. Das könnte sich aber demnächst ändern. Daimler Benz will nach früheren Angaben Ende des Jahres die Serienfertigung eines E-Busses aufnehmen, bei MAN soll die Serienproduktion vor 2020 starten.

Ein alter Hut sind mit Strom betriebene Busse in Solingen. Dort fahren seit 1952 sogenannte O-Busse. Sie erhalten den Strom, ähnlich wie eine Straßenbahn, aus einer über der Fahrbahn gespannten Oberleitung. 50 dieser O-Busse sind im Einsatz, mit 102 Kilometern Streckennetz für sechs Linien ist Solingen der größte O-Busbetrieb in Deutschland. Und er verhilft NRW zu Platz eins im E-Bus-Monitor der Beratungsgesellschaft PwC - mit deutlichem Abstand vor den anderen Bundesländern. (dpa)

Mehr von Westdeutsche Zeitung