Unwetter: Gedenkveranstaltung zum Solinger Brandanschlag abgebrochen

Unwetter: Gedenkveranstaltung zum Solinger Brandanschlag abgebrochen

Außenminister Heiko Maas und sein türkischer Amtskollege Çavusoglu konnten ihre Reden nicht mehr halten.

Solingen. Mitten in der Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Solinger Brandanschlags erreichte das Unwetter im Bergischen seinen Höhepunkt. Gegen 16.40 Uhr brachen die Verantwortlichen ab und forderten die Menschen auf, nach Hause zu gehen — vor der mit Spannung erwarteten Rede des türkischen Außenministers Mevlüt Çavusoglu und vor dem Beitrag von Bundesaußenminister Heiko Maas.

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Çavusoglu wandte sich kurz an die Menschen und dankte für ihr Kommen. Er betonte, dass er Familie Genç und Angehörigen bereits in Düsseldorf sein Mitgefühl ausdrücken konnte. Der Abbruch der Veranstaltung sei in Ordnung. Rund 1000 Menschen hatten sich am Mahnmal vor der Mildred-Scheel-Schule versammelt — vorbereitet waren die Stadt als Veranstalter und die Sicherheitskräfte auf bis zu 4000 Besucher. Am Mahnmal hatten Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und Joachim Stamp (FDP), stellvertretender Ministerpräsident NRWs, gesprochen — bevor das Wetter zum Abbruch zwang. Am Rande der Demo „Kein Rederecht für Çavusoglu in Solingen“, an der unter anderem die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) beteiligt war, kam es zu einer Festnahme. Ein Mann hatte die Demonstranten offenbar beschimpft.

Bereits vor 14 Uhr hatte sich ein großes Aufgebot an Medienvertretern am Mahnmal versammelt. Zahlreiche Mannschaftswagen waren vor Ort, es herrschten erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Kurz nach 15 Uhr traf der türkische Außenminister Mevlüt Çavusoglu am Mahnmal ein, wenige Minuten später folgte Heiko Maas (SPD). Symbolisch gegrüßt wurden sie unter anderem vom Betreiber eines Kiosk — er hatte eine deutsche und eine türkische Fahne rausgehängt. Zuvor hatten sich am Mittag rund 250 Schüler vor dem Rathaus und weitere 100 im Südpark versammelt. In einem Sternmarsch liefen sie zum Neumarkt, auf dem es eine Kundgebung gab. Vom Veranstalter waren nur unpolitische Fahnen und Transparente gewünscht, so forderte ein Plakat: „Sei kein Rassist — sei ein Panda“; schließlich sei das Tier schwarz, weiß und Asiate. Die MLPD trat auch hier mit Parteifahnen auf, zu sehen waren Transparente der MLPD Düsseldorf sowie der Jugendorganisation „Rebell“. Diese Teilnehmer wurden von der Polizei vom Platz begleitet, die Fahnen eingerollt.

Am Abend wurde nach einem interreligiösen Gebet in der evangelischen Stadtkirche am Fronhof der „Silberne Schuh“ verliehen, der Solinger Preis für Zivilcourage. Er wird seit 2004 jährlich am 29. Mai überreicht — in diesem Jahr an den Arzt Christoph Zenses, der sich unter anderem für Obdachlose und Flüchtlinge engagiert. Anschließend gab es ein gemeinsames Fastenbrechen („Iftar-Feier“) — im Bürgersaal für geladene Gäste, für die Solinger auf dem Fronhof vor der Kirche. Zum Ende des Gedenktags war ein Schweigemarsch zur Unteren Wernerstraße geplant. Dort, wo vor 25 Jahren das Haus der Familie Genç stand, erinnern heute fünf Kastanien an die Opfer des Brandanschlags.

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