1. Politik
  2. Landespolitik

Terrorhelfer Carsten S. hat keine Akte in NRW

Terrorhelfer Carsten S. hat keine Akte in NRW

Der mutmaßliche Terrorhelfer aus Düsseldorf war dem Landes-Verfassungsschutz nicht bekannt. Wann kam er an den Rhein?

Düsseldorf. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz hatte den am Mittwoch als mutmaßlichen Terrorhelfer festgenommenen Carsten S. nicht unter Beobachtung. „Er war uns bis zur Aufdeckung des Nationalsozialistischen Untergrunds im November nicht bekannt“, sagte Mathilde Koller, Chefin des Landesverfassungsschutzes.

Dabei handelt es sich beim dem 31-jährigen gebürtigen Ostdeutschen offenbar um einen Rechtsextremen mit einer stattlichen Vorgeschichte. Bis 1999 stand er an der Spitze des NPD-Kreisverbands Jena, außerdem hatte er führende Positionen in der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten inne. Das wusste der Verfassungsschutz in Thüringen, offenkundig aber nicht der in NRW. Koller jedenfalls mochte am Donnerstag nichts mehr sagen, verwies wiederholt auf die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft.

Darauf berief sich auch die NRW-Polizei. Man sei im Vorfeld der Festnahme durch die Bundespolizei-Sondertruppe GSG 9 lediglich informiert, nicht aber beteiligt worden. S. sei auch erst seit 2003 in NRW gemeldet, habe zuvor im Osten gewohnt.

Das widerspricht der Darstellung, die S. seit geraumer Zeit durch seinen Anwalt verbreiten lässt. Er habe bereits im Jahr 2000 der rechten Szene in Thüringen den Rücken gekehrt und sei damals nach Hürth, 2003 dann nach Düsseldorf gezogen.

Der genaue Zeitpunkt des Bruches wird eine große Rolle in den Ermittlungen gegen S. spielen. Denn es gibt offenkundig eine Zeugenaussage, die ihn stark belastet. Demnach soll S. in den Jahren 2001 oder 2002 in Jena eine Waffe und Munition gekauft haben. Über Mittelsmänner soll die Waffe dann an die NSU, bestehend aus Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe gelangt sein.

Gegen S. besteht der Verdacht der Beihilfe bei sechs Morden, da er billigend in Kauf genommen habe, dass die Waffe bei Anschlägen eingesetzt wird. Tatsächlich benutzten Mundlos und Bönhardt bei ihren Untaten eine andere Waffe. Sie soll aus der Schweiz stammen.