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SPD nach NRW-Wahl im Rausch: „So sehen Sieger aus“

SPD nach NRW-Wahl im Rausch: „So sehen Sieger aus“

Mehr als 600 Menschen feiern ausgelassen den Sieg — und die Frau, die ihn möglich machte.

Düsseldorf. Es ist laut, es wird geschrien, es ist warm, es ist Party: Die SPD feiert sich, sie feiert ihren Erfolg im bevölkerungsreichsten Bundesland, den Verbleib an der Macht, den Zugewinn an Stimmen — vor allem aber ihre Spitzenkandidatin, die alte und neue Ministerpräsidentin.

Um 18.32 Uhr betritt sie die Bühne, zusammen mit ihrem Mann Udo und dem Sohn Jan. Beide treten selten in der Öffentlichkeit auf. „So sehen Sieger aus“, skandiert die begeisterte Parteibasis.

Sie sagt, was man so sagt, wenn man gerade zum zweiten Mal die Wahl im bevölkerungsreichsten Bundesland gewonnen hat, wenn man vom Wähler im Amt bestätigt wurde: „Ich bin überglücklich. Wir haben unsere Wahlziele erreicht — für die SPD, für eine Fortsetzung von Rot-Grün.“

Sie dankt ihrem Mann Udo, der daheim „den meistplakatierten Ort in NRW geschaffen hat“, dem Sohn, der gerade rechtzeitig von seinem Arbeitsurlaub aus Neuseeland zurückkehrte, und ihrer Mutter, „die immer so schön die Sachen bügelt. Das ist auch wichtig.“

Dieses Mal musste bei den Sozialdemokraten in NRW alles ein bisschen größer sein, die Wahlparty fand nicht in den eher schmucklosen Räumen der Landesgeschäftsstelle statt. Die Favoritenstellung und die gute Stimmung im Wahlkampf ließen die Wahl auf einen eher exotischen Ort fallen: die Disco 3001 im Medienhafen.

Für das Lokal ein letzter Höhepunkt, wird es doch demnächst schließen. Seit vier Tagen hatte die SPD übrigens keine Anmeldungen mehr angenommen. Zu groß war der Andrang, viele wollten mit dem mutmaßlichen Sieger feiern.

Mehr als 600 Menschen drängen sich auf dem Tanzboden. „Ich hätte damit nie gerechnet“, sagt ein strahlender Regierungssprecher Thomas Breustedt. „Ich bin völlig baff“, staunt Gisela Walsken, Regierungspräsidentin in Köln.

„Wir sind so froh, dass wir für die Arbeit der vergangenen 20 Monate belohnt wurden. Hannelore Kraft ist eine Ministerpräsidentin der Herzen“, betont Familienministerin Ute Schäfer.

Die Person Kraft — sie beschäftigt viele an diesem Abend, den einer „schon heute historisch“ nennt. Ein langjähriger Wegbegleiter sieht in ihr „eine Mischung aus Johannes Rau und Wolfgang Clement“.

Damit steht er wohl eher alleine da, Clement-Anteile vermag kaum einer zu entdecken — höchstens ein gerüttelt Maß an Ungeduld so dann und wann. Michael Groschek, Generalsekretär der NRW-SPD, sieht in ihr eine „Integrationsfigur über die Parteigrenzen hinaus, die Menschen wieder Vertrauen in die Politik gibt“.

Gesprächsstoff genug also für die Party in der Disco. Vor allem aber immer noch eine gehörige Portion Staunen bei fast allen. Innenminister Ralf Jäger lässt seinen Dienstwagen anhalten, ruft aus der geöffneten Tür. „Hätten Sie das gedacht?“ Er meinte alles: den Sieg und den ganzen Rest.