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Millionen-Erlös erwartet: Sparkurs: WDR lässt fast 50 Kunstwerke versteigern

Millionen-Erlös erwartet : Sparkurs: WDR lässt fast 50 Kunstwerke versteigern

Kunst aus Unternehmen ist nicht mehr unantastbar. In Kürze wird auch der WDR hochkarätige Werke aus seiner Sammlung auf dem internationalen Markt versteigern lassen. Der Sender steht unter Spardruck und hofft auf einen Millionen-Erlös. Die Pläne sind heftig umstritten.

Köln (dpa) - Wieder verlässt wertvolle Kunst aus Unternehmensbesitz das Land: Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) lässt am 21. und 22. Juni beim Auktionshaus Sotheby's in London 37 Kunstwerke versteigern. Darunter seien Ölgemälde von Max Beckmann, Ernst-Ludwig Kirchner und Max Pechstein sowie Papierarbeiten von Erich Heckel, Christian Rohlfs und Ernst-Wilhelm Nay, teilten der WDR und Sotheby's am Mittwoch mit.

Insgesamt sollen 48 Kunstwerke aus der Sammlung des öffentlich-rechtlichen Senders im Laufe des Jahres in London und Paris unter den Hammer kommen. Der Gesamtschätzpreis liegt laut Sotheby's bei mehr als 2,4 Millionen Pfund (knapp 3 Mio Euro). WDR-Intendant Tom Buhrow begründete den Verkauf mit der „schwierigen Haushaltslage“ des Senders. Angesichts dessen „wollen wir uns ganz auf unseren Kernauftrag konzentrieren: ein qualitativ hochwertiges und vielfältiges Programm anzubieten.“

Die Verkaufspläne hatte schon vergangenes Jahr breiten Protest ausgelöst. Kunstwerke dürften nicht „hemmungslos zu reinen Spekulationsobjekten degradiert“ werden, hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) an Buhrow geschrieben. Seit der Versteigerung von zwei millionenschweren Warhol-Siebdrucken durch den indirekt dem Land Nordrhein-Westfalen gehörenden Casino-Betreiber Westspiel ist eine bundesweite Debatte über Kunstverkäufe zur Sanierung von Unternehmenskassen entbrannt.

Insgesamt hat der WDR etwa 600 Kunstwerke in seinem Bestand, doch nur bei etwa vier oder fünf werden Erlöse im sechsstelligen Bereich erwartet. Die meisten Arbeiten sind geschätzt weniger als 5000 Euro wert und sollen nicht verkauft werden. Zuvor hatte die NRW-Landesregierung den Weg für den Verkauf von zwei der bedeutendsten Werke aus der WDR-Sammlung freigemacht. Der Sender bestätigte einen entsprechenden Medienbericht. Demnach werden Beckmanns „Möwen im Sturm“ und Kirchners „Berglandschaft mit Almhütten“ nicht in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen und dürfen nun aus Deutschland ausgeführt werden.

Das Prüfverfahren für die beiden Gemälde hatte noch die frühere NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) eingeleitet. Hintergrund war auch die Debatte um den geplanten Verkauf der millionenschweren Kunstsammlung der zerschlagenen WestLB durch deren Nachfolgegesellschaft Portigon. Auch in diesem Fall ließ Schäfer bei neun Kunstwerken prüfen, ob sie auf die nationale Liste kommen sollen. Inzwischen haben Politik, Kultur und Wirtschaft aber vereinbart, die wichtigsten Objekte der WestLB-Sammlung für das Land zu retten und in eine Stiftung zu überführen.