Reuls Antworten auf die Kritik im Fall Lügde

Polizeiskandal : Das sagt Innenminister Reul zu der Kritik im Fall Lügde

Nach dem Verschwinden von Beweismitteln im Fall des Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde ist in NRW ein Streit um die Verantwortung entbrannt. Wir haben beim NRW-Innenminister nachgefragt.

Herr Reul, wie beantworten Sie den Vorwurf des BdK, das Innenministerium wisse seit Jahren, dass in Lippe am Limit gearbeitet werde?

Herbert Reul: Dieser Vorwurf ist nicht neu. Dass die NRW-Polizei ein strukturelles Personalproblem hat, ist ein offenes Geheimnis. Das gilt ganz besonders für die Kriminalpolizei. Deshalb habe ich direkt nach meiner Amtsübernahme die Einstellungszahlen der Polizei deutlich erhöht. Inzwischen stellen wir jedes Jahr 2500 Anwärterinnen und Anwärter ein – ein Viertel mehr als bei meinem Amtsantritt. Ich kann die Fehler, die in der Vergangenheit begangen wurden, aber auch nicht über Nacht beseitigen.

„Wenn der Innenminister davon redet, dass seine Großmutter das besser gekonnt hätte, kommt das bei den Kollegen, nicht so gut an“, kritisiert Fiedler.

Reul: Da hat mich Herr Fiedler offenbar falsch verstanden. Meine damalige Bemerkung zielte gar nicht auf die Arbeit der Polizisten, sondern auf die Versäumnisse der Behörden insgesamt. Mir sind die nordrhein-westfälischen Polizistinnen und Polizisten in den vergangenen anderthalb Jahren wirklich ans Herz gewachsen. Insofern macht es sich Herr Fiedler mit seiner Kritik vielleicht ein bisschen einfach.

Wie bewerten Sie Ihre Verantwortung?

Reul: Ich bin ein Freund davon, die Dinge beim Namen zu nennen. Außerdem stehe ich zu meiner Verantwortung. Aber nur dann, wenn sie auch besteht. Ich bin seit anderthalb Jahren im Amt. Und bei 50.000 Polizeibediensteten im Land kann ich nicht für jeden einzelnen die Hand ins Feuer legen. Dass ich mich verantwortlich fühle, kann man daran erkennen, welche Maßnahmen ich ergriffen habe und ergreifen werde.

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