Piratin stöhnt über Landtagsalltag

Piratin stöhnt über Landtagsalltag

Abgeordnete irritiert mit Twitter-Beiträgen zu Politik und Privatem.

Düsseldorf. Sie sind seit vier Monaten im Landtag und haben nach eigenem Bekunden noch viel zu lernen: Die Piraten im NRW-Parlament sind bisher kaum durch eigene Initiativen aufgefallen. Angetreten waren sie mit dem Anspruch, die Landtagswirklichkeit zu verändern, indem sie möglichst viel Transparenz herstellen.

Das ist ihnen auf jeden Fall mit Blick auf die eigenen Befindlichkeiten gelungen. Was der Bürger im Internet über den ein oder anderen Volksvertreter erfahren kann, ist schon erstaunlich.

Die meisten der 20 Landtagsabgeordneten der Piraten setzen auf das schnelle Medium Twitter, bei dem kurz und prägnant Botschaften an Interessierte, die sogenannten Follower, verbreitet werden können.

Besonders auffällig ist dabei die Abgeordnete Birgit Rydlewski, eine 42-jährige Lehrerin aus Dortmund, die auch mal kurzzeitig Piraten-Landeschefin war. Sie hat offenkundig Probleme mit der Dauer der Landtagssitzung.

Am Mittwoch jedenfalls war ein langer Tag für die Abgeordneten, beraten wurde bis nach 23 Uhr. „Tage, an denen man sich klonen müsste und an denen man eigentlich ins Bett will“, stöhnte die Parlamentarierin via Twitter. Später: „Das mit den ganz langen Plenarsitzungen wäre nicht so schlimm, wenn es nicht morgen genauso weitergehen würde.“

Bei der Schilderung ihres harten Alltags wird Rydlewski auch gerne persönlich. So überrascht sie kurz nach ihren oben aufgeführten Twitter-Beiträgen mit folgender Aussage: „Ich darf nicht am mmarsching lecken.“

Gemeint ist damit Michele Marsching, der ebenfalls Piraten-Landeschef war und nun auch im Landtag sitzt. Kurz danach meldet Rydlewski, die sich im Netz „Rya“ nennt, die angebliche Antwort Marschings: „Du darfst an mir lecken, wo Du willst, aber Du darfst es nicht twittern.“

Immerhin mehr als 4000 Menschen folgen Rydlewskis Einträgen, teils auch angelockt von kürzlichen Berichten, bei denen geplatzte Kondome eine Rolle spielten. Einem reichte es: „Gib Dein Mandat ab“, forderte ein Ulli Lehnen im Internet.

So ganz wohl scheint den Piraten nicht zu sein. Am Donnerstagnachmittag jedenfalls waren die Einträge plötzlich gelöscht.

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