Züge erreichen Dortmund: NRW nimmt mehr als 1000 Flüchtlinge auf - Willkommen und Rechte-Demo

Züge erreichen Dortmund : NRW nimmt mehr als 1000 Flüchtlinge auf - Willkommen und Rechte-Demo

Die Flucht über den Balkan war lang. Mehr als 1000 Flüchtlinge erreichen mit Sonderzügen NRW. In Dortmund bereiteten Hunderte Menschen ein herzliches Willkommen. Zuvor demonstrierten Rechte.

Dortmund. Mit Applaus und Willkommen-Plakaten sind mehr als 1000 Flüchtlinge am Sonntag in Dortmund begrüßt worden. Die Kinder, Frauen und Männer, die über Ungarn nach Deutschland auf dem Weg waren, kamen mit Zügen im Dortmunder Hauptbahnhof an.

Viele spontane Helfer hatten Stunden zuvor kleine Willkommenspakete zusammengestellt und auf die Flüchtlinge im Bahnhof gewartet. Nach Informationen der Stadt Dortmund sollten in Nordrhein-Westfalen am Sonntag insgesamt rund 1400 Flüchtlinge mit Zügen ankommen.

Nordrhein-Westfalen Innenminister Ralf Jäger (SPD) begrüßte in Dortmund direkt am Bahnsteig die Insassen eines Sonderzuges, in dem allein rund 1000 Flüchtlinge anreisten. Auch Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) war dabei und führte Gespräche.

Die Politiker begleiteten die große Gruppe der Flüchtlinge in ein nahegelegenes Gebäude, in dem es weitere Informationen für die Neuankömmlinge gab. Untern den Ankommenden waren viele Menschen aus Syrien. Schon früh am Morgen war ein Zug mit Hunderten Flüchtlingen angekommen.

Dortmund fungiert nach Angaben des Innenministeriums als zentrale Anlaufstelle. „In Dortmund sind die Vorbereitungen getroffen worden, damit man gesteuert die Menschen weiterleiten kann“, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Von Dortmund aus würden die Flüchtlingen in Unterkünfte im Land verteilt. Am Dortmunder Hauptbahnhof standen Busse bereit. „Danke Deutschland“ hieß es auf einem Zettel, den ein Flüchtling kurz nach seiner Begrüßung hochhielt.

Derweil werden weiter mit Hochdruck Unterkünfte für Flüchtlinge geschaffen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden in der Nacht zum Sonntag 1470 Plätze in 17 Einrichtungen für die aus Ungarn kommenden Flüchtlinge bereitgestellt. Bis Montag sollen weitere 1025 Plätze in 7 Unterkünften entstehen. An manchen Orten wurde die Kapazität bestehender Einrichtungen aufgestockt, anderswo wurde die Belegung neuer Plätze vorgezogen, einige Unterkünfte wurden neu geschaffen, wie das Innenministerium weiter erläuterte. Es wurde erwartet, dass die bisherige Tageshöchstzahl ankommender Flüchtlinge in NRW - 1584 am vergangenen Mittwoch - am Sonntag übertroffen wird.

In der Nacht wenige Stunden vor Ankunft des ersten Zuges waren Rechtsextremisten aufmarschiert. Etwa 30 Beteiligte demonstrierten laut Polizei in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dabei kam es den Angaben zufolge zu Auseinandersetzungen zwischen etwa 20 Rechten und 30 linken Gegnern. Flaschen und Böller flogen auch gegen Polizisten. Drei Beamte, ein Versammlungsteilnehmer sowie eine unbeteiligte Person wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt. Vier Personen kamen in Gewahrsam.

In der Nacht auf Sonntag kam es außerdem zu einer versuchten Brandstiftung auf eine ehemalige Schule in Dortmund. Das noch leerstehende Gebäude soll in Zukunft als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden, ist aber laut Polizei noch nicht umgebaut. Nach Mitteilung der Ermittler hatte ein Zeuge ein Scheibenklirren gehört und die Polizei verständigt. Die Feuerwehr stellte nur eine Rauchentwicklung fest, kein größeres offenes Feuer. Nach ersten Ermittlungen gehen Polizei und Staatsanwaltschaft jedoch von einer vorsätzlichen Tat aus. Eine Sonderkommission ermittelt.

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