NRW: NRW: Mehr schwere Verkehrsunfälle mit LKW

NRW : NRW: Mehr schwere Verkehrsunfälle mit LKW

Allein in NRW gab es im vergangenen Jahr 194 Auffahrunfälle mit LKW. NRW-Innenminister Reul fordert: Die Bremsautomatik darf nicht abschaltbar sein.

Düsseldorf. Immer häufiger kommt es zu schweren Unfällen, wenn Lkw an Stau-Enden auf davor stehende Autos prallen. Wurden 2013 in NRW noch 135 solcher Unfälle registriert, waren es 2017 bereits 194. Diese Zahlen nannte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2017.

Bei allen Unfällen dieser Art im vergangenen Jahr — mit und ohne Lkw-Beteiligung — kamen 19 Menschen ums Leben. Reul dazu: „Das zeigt, dass der bange Blick in den Rückspiegel am Stau-Ende leider nicht unbegründet ist.“ Lkw könnten zu „tonnenschweren Geschossen“ werden. Die Fahrer führen oft zu dicht auf, seien übermüdet, abgelenkt durchs Handy oder schalteten den Notbremsassistenten aus.

Solche Assistenzsysteme sorgen dafür, dass der Lkw bei geringer werdendem Abstand zum voranfahrenden Fahrzeug automatisch abgebremst wird. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass die Fahrer das System abschalten. Als mögliche Gründe dafür nannte Reul, dass sie im Windschatten eines voranfahrenden Lkw fahren wollen. Oder dass sie genervt vom Auslösen des Bremssystems seien, wenn ein Pkw nach dem Überholvorgang eng vor ihnen wieder auf ihre Spur wechselt. Auch könne es sein, so sagte es Rüdiger Wollgramm, Referatsleiter Verkehr im Innenministerium, dass es dem Lkw-Fahrer zu langweilig ist, mit Notbremsassistent und Abstandsautomat zu fahren. Und da variiere er, um fit und hellwach zu bleiben, auch gerne mal die Geschwindigkeit und den Abstand.

Innenminister Reul möchte, dass ein solches manuelles Abschalten nicht mehr möglich ist. Er wolle sich, so kündigte er an, für einen Vorstoß der Bundesregierung stark machen — damit es zu europaweit schärferen Regeln komme. Auch der ADAC teilt diese Meinung. Nach einem Test mehrerer Lkw-Notbremsassistenten, die deren zuverlässiges Funktionieren gezeigt hätten, plädierten die Experten dafür, dass die Notbremsassistenz-Funktion permanent verfügbar sein sollte. Ein manuelles Abschalten sollte grundsätzlich nicht zulässig sein. Eine im Einzelfall notwendig werdende Abschaltung sollte nur kurzzeitig möglich sein — mit darauffolgender automatischer Wiedereinschaltung.

Reul kündigte am Freitag an, bereits kommende Woche solle landesweit der Güterverkehr stärker kontrolliert werden. Geprüft würden Ladungssicherungen, technische Manipulationen, aber auch die Missachtung von Überholverboten und Mindestabständen sowie Alkohol am Steuer.

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