NRW-Jäger begrüßen neues Jagdgesetz: Mehr Tierarten sollen zum Abschuss freigegeben werden

NRW-Jäger begrüßen neues Jagdgesetz: Mehr Tierarten sollen zum Abschuss freigegeben werden

Das neue Jagdgesetz in NRW wird die Politik von Rot-Grün revidieren. Befürworter des damaligen "Ökologischen Jagdgesetzes“ kamen vor allem aus Reihen der Naturschützer.

Düsseldorf. Weidmannsheil — 91.000 Jäger in NRW scheinen aufzuatmen. Die schwarz-gelbe Landesregierung bringt ein neues Jagdgesetz auf den Weg, das vom Landesjagdverband begrüßt wird. Er vertritt die Interessen von 65 000 Mitgliedern an Rhein und Ruhr. „Ein Jahr nach der Landtagswahl finden in NRW die Leistungen der Jägerschaft wieder die gebotene politische Anerkennung“, findet Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbands NRW, lobende Worte.

Unter der rot-grünen Regierung mit Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) fühlte sich der Verband durch das damals auferlegte, sogenannte „Ökologische Jagdgesetz“ gegängelt. Mehrere Tausend Jäger demonstrierten im Jahr 2015 vor dem Düsseldorfer Landtag gegen die Einführung des Gesetzes — in ihren Augen eine Verschlechterung für Tier-, Natur- und Artenschutz — und sprachen sich gegen Bevormundungen, Einschränkungen und eine „Ideologie im Jagdrecht“ aus. Befürworter des damaligen Gesetzes kamen vor allem aus Reihen der Naturschützer. „Der frühere Minister hat sein Gesetz bekanntlich ein Geburtstagsgeschenk zum 50-jährigen Bestehen des Nabu genannt“, so Müller-Schallenberg.

Drei Jahre danach wird die Revision der Remmelschen Jagdpolitik eingeleitet. Die Jägerschaft soll in naher Zukunft wieder mehr und länger jagen dürfen. Im Remmel-Gesetz sind 27 Tierarten gelistet, von denen rund 20 bejagt werden dürfen. Im Bundesjagdgesetz werden dagegen 140 Tierarten geführt, von denen 25 geschossen werden können.

Die NRW-Jägerschaft fordert nun, den jagdrechtlichen Tierkatalog auf bis zu 80 Tierarten zu erweitern, von denen rund 25 bejagt werden sollen. Noch vor der Sommerpause wird sich der Landtag mit der Novelle befassen.

„Es ist Aufgabe der Politik, positives Engagement zu fördern und nicht zu behindern“, sagt der Präsident der NRW-Jägerschaft mahnend, der auf die Leistungen der Jägerschaft für Natur und Gesellschaft aufmerksam machen möchte. Vom Erhalt eines artenreichen Wildbestandes über Biotopverbesserungen bis hin zum Einsatz bei Wildunfällen erstreckt sich ihr Aufgabenspektrum. Er erinnert an die zurückgetretene Ex-Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU). Der neue Gesetzentwurf sei ihr Verdienst und die „jagdpolitische Wende“. Von Amtsinhaberin Ursula Heinen-Esser (CDU) verspricht sich der Verband die Fortsetzung der eingeschlagenen Marschroute. „Sie kennt die Jägerschaft und hat schon auf dem Bundesjägertag 2010 eine vernünftige und ausgewogene Jagd- und Forstpolitik vertreten“, sagt Müller-Schallenberg. Die Grünen kritisieren den Entwurf dagegen als „einseitige Klientel-Politik“.

Für annähernde Gespräche zwischen Jägerschaft und Naturschützern nach der Remmelschen Umweltpolitik seien die Weidmänner offen. „Wir sind nicht mit den Naturschützern im Krieg“, betont er. Dagegen kündigt der Verband Wildschweinen, Füchsen und Waschbären den Kampf an. Er fordert, dass flächendeckende Bejagungsmöglichkeiten sichergestellt werden. Jagdbeschränkungen und Verbote müssten auch in Schutzgebieten die seltene Ausnahme bleiben. Wildschweine seien sehr intelligente Tiere, die genau wüssten, wo sie nicht bejagt würden, und dort großen Schaden anrichteten.

Ähnlich verhalte es sich beim Fuchs, der die schützenswerten Bestände an Hasen und Bodenbrütern wie Rebhühnern bedrohe. Deshalb spricht sich der Verband auch für eine Fang- und Baujagd von Füchsen aus. Laut EU-Recht müssen invasive Arten wie der Waschbär, der eigentlich aus Nordamerika stammt, sogar bejagt werden, weil sie die heimischen Artenvielfalt stark gefährden.

Komplett bleifreies Schießen lehnt die Jägerschaft nach wie vor ab. Der Bleigehalt in der Munition sei minimal. Die Bleigeschosse ermöglichten jedoch während der Jagd einen schnell eintretenden Tod der Wildtiere.

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