NRW: Islamunterricht in deutscher Sprache

NRW: Islamunterricht in deutscher Sprache

Schon im kommenden Jahr gibt es ein reguläres Schulfach für junge Moslems.

Düsseldorf. Es hat viele Monate gebraucht und viel Geduld von allen Beteiligten erfordert. Doch nach Lage der Dinge hat sich das Verhandeln und oftmals zähe Ringen gelohnt: Ab dem Schuljahr 2012/13 wird es erstmals in NRW einen islamischen Religionsunterricht als Fach an den Schulen geben.

Einen entsprechender Gesetzesentwurf ist nun in den Landtag eingebracht worden. Da er von SPD, Grünen und der CDU getragen wird, ist eine Mehrheit sicher.

Heiß diskutiert und lange verhandelt waren zuvor vor allem die Lerninhalte. Denn die Landesregierung musste sich mit den Verbänden der Moslems auf den Stoff einigen, der vermittelt wird.

Anders als bei den christlichen Kirchen gibt es hier eine Vielzahl von Ansprechpartnern. Doch die Verbände unterschrieben schließlich eine Vereinbarung, mit der sie einem Beirat zustimmten, der die Unterrichtsinhalte künftig festlegen soll.

Der Unterricht wird künftig in deutscher Sprache abgehalten. So soll verhindert werden, dass junge Moslems in Hinterhofmoscheen von Islamlehrern beeinflusst werden, die unter keinerlei staatlicher Kontrolle stehen.

In Nordrhein-Westfalen leben rund 1,5 Millionen Moslems, 80 Prozent von ihnen begrüßen einen Islamunterricht in deutscher Sprache. Es geht um 320 000 Kinder im schulpflichtigen Alter. Nach dem Grundgesetz haben sie ein Recht auf Religionsunterricht, wie NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) nun betonte: „Das ist kein Wunschkonzert, sondern ein Verfassungsauftrag.“

Schon die alte schwarz-gelbe Landesregierung wollte den deutschsprachigen Islamunterricht einführen, war aber an den Verhandlungen mit den Moslemverbänden gescheitert.

Nun zeigte sich vor allem die Union erfreut über die neue Entwicklung: „Wer will, dass es keine Parallelgesellschaften gibt, muss auf allen Ebenen für Teilhabe und Zugang zu unserem Gemeinwesen sorgen“, sagte der CDU-Bildungspolitiker Michael Solf. Das sei ein „Gebot der Fairness und auch der Klugheit“. Auch die FDP zeigte „große Sympathie“. Der Einführung steht also nichts im Weg. Startschuss wäre im kommenden Sommer.

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