Krankenhaus-Keime: Neue resistente Keime bereiten Medizinern Sorgen

Krankenhaus-Keime : Neue resistente Keime bereiten Medizinern Sorgen

Die aggressiven Erreger, die jetzt am Klinikum Leverkusen nachgewiesen wurden, gelten als kaum behandelbar.

Düsseldorf. Seit einer Woche ist die Intensivstation des Klinikums Leverkusen für Neuzugänge gesperrt. Der Grund dafür ist ein multiresistenter Erreger — besser bekannt als Krankenhauskeim. Was den Fall so schwierig macht: Es handelt es sich um einen so genannten gramnegativen Erreger, dessen schnelle Ausbreitung Medizinern zunehmend Sorgen bereitet. Zudem werden laufend neue Subtypen entdeckt.

„Gramnegative Keime sind die Herausforderung in den nächsten Jahren. Sie entwickeln sich schnell weiter, verbreiten sich schnell und es gibt kaum Mittel, die dagegen wirken“, sagt Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), dem Dachverband für NRW-Kliniken.

Das Problem: Gramnegative Keime sind gegen vier bekannte Antibiotikagruppen resistent und damit noch deutlich schwerer in den Griff zu bekommen als die weitgehend bekannten und inzwischen vergleichsweise gut behandelbaren MRSA-Keime. „MRSA-Keime sind auf dem Rückmarsch. Wir sind fast auf dem Niveau der als vorbildlich geltenden Niederlande“, sagt KGNW-Mediziner Peter-Johann May.

Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums wurden 2014 in NRW 1204 Infektionen mit Keimen des Typs MRSA nachgewiesen. Im Jahr zuvor waren es noch 1354 MRSA-Infektionen.

Gramnegative Keime werden laut May übewiegend bei Patienten festgestellt, die sich zuvor in einem anderen Land medizinisch behandeln ließen. Auch im aktuellen Fall wurde der Patient aus dem Ausland in das Leverkusener Krankenhaus verlegt. Wie das Klinikum mitteilt, hat er mindesten einen weiteren schwer kranken Menschen infiziert. Weitere Patienten, die mit ihm auf der Intensivstation lagen, wurden isoliert.

Um die Verbreitung solcher und anderer Keime in Krankenhäusern einzudämmen, hat die Krankenhausgesellschaft ein Aktionsprogramm aufgelegt, an dem sich fast alle Krankenhäuser in NRW beteiligen. Unter anderem wird offensiver auf die Desinfektionsmittel-Spender in Kliniken hingewiesen. Schon seit einigen Jahren werden Patienten routinemäßig auf Keime untersucht, die zu einer Risikogruppe gehören - dazu zählen etwa Bewohner von Altenheimen.

Deutschlandweit sterben jedes Jahr 10 000 bis 15 000 Menschen an Infektionen, die durch resistente Erreger ausgelöst wurden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will unter anderem strengere Meldepflichten für alle Keimarten einführen.