Uhr-Umstellung: Nein zur Sommerzeit: Herbert Reul kämpft weiter

Uhr-Umstellung: Nein zur Sommerzeit: Herbert Reul kämpft weiter

Schon als Europa-Abgeordneter war die Uhr-Umstellung für den heutigen NRW-Innenminister Reul ein Herzensthema. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es wieder soweit.

Düsseldorf. In seiner Zeit als Europa-Abgeordneter hat Innenminister Herbert Reul (CDU) mehrfach versucht, gegen die zweimal jährlich erfolgende Umstellung der Uhren anzugehen. Dieses Ziel will er zwar nicht in seiner Funktion als Landesinnenminister (dafür hat er in diesem Amt keine Kompetenz), wohl aber persönlich weiterverfolgen. Wenn in der Nacht zum Sonntag die Uhren wieder auf die normale Mitteleuropäische Zeit, also um 3 Uhr um eine Stunde zurück auf 2 Uhr gestellt werden, so kann Reul sich auch nicht für die so gewonnene Stunde begeistern. „Zweimal im Jahr fragen die Menschen sich, wer an der Uhr gedreht hat. Damit muss jetzt endlich Schluss sein. Denn weder sparen wir durch die Zeitumstellung Energie, noch haben wir dadurch sonst irgendeinen Vorteil. Im Gegenteil: Die Umstellung ist nicht nur lästig, sondern, wie Wissenschaftler herausgefunden haben, auch noch ungesund.“

Eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Herbst im Auftrag der Krankenkasse DAK durchführte, ergab, dass 27 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer schon einmal körperliche oder psychische Probleme damit hatten. Fast drei Viertel (71 Prozent) aller Befragten in NRW halten die Zeitumstellung für überflüssig und plädieren dafür, sie abzuschaffen. Bei der Frage nach den häufigsten Beschwerden gaben 75 Prozent an, dass sie sich müde und schlapp fühlten. 62 Prozent hätten Einschlafprobleme.

Die Idee der 1980 auch in Deutschland eingeführten Sommerzeit war das Thema Energie-Einsparung. Hintergrund: Die Menschen beginnen ihren Alltag typischerweise nicht vor sechs Uhr morgens, obwohl es im Sommer da meiste schon lange hell ist. Dafür sind viele bis spät in die Nacht aktiv, auch wenn es bereits längere Zeit dunkel ist. Wenn nun im Frühjahr durch die Sommerzeit die Tagesstruktur der Menschen in Bezug auf den Tageslauf der Sonne um eine Stunde vorrückt (Uhren werden vorgestellt), so wird die Tageshelligkeit besser genutzt.

Ob es indes zu der beabsichtigten Energieeinsparung kommt und in welchem Maße, ist unklar. So ergab eine 2016 veröffentlichte Studie des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag, dass die Energieeinsparungen „allenfalls minimal bzw. zu vernachlässigen“ seien. Auf wirtschaftliche Aspekte habe die Uhr-Umstellung keine einheitlichen Effekte. Der Tourismuswirtschaft könne sie aufgrund der längeren Tageshelligkeit im Sommer nutzen, von anderen Branchen — etwa Fahrplanumstellung bei der Bahn — oder landwirtschaftlichen Betrieben werde sie als lästig empfunden. Mit Blick auf gesundheitliche Folgen gebe es kaum evidenzbasierte wissenschaftliche Studien.

Reul setzt darauf, dass das Anliegen im Europäischen Parlament weiter vorangebracht wird. Dort müsste eine Änderung beschlossen werden (Infokasten). Es gebe inzwischen viele Politiker verschiedener politischer Richtungen, „denen die Sache genauso am Herzen liegt.“

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