Nach München: Politik und Polizei wollen aufrüsten

Nach München: Politik und Polizei wollen aufrüsten

Innenminister Thomas de Maizière will Körperscanner einführen. Der Koalitionspartner FDP ist skeptisch.

München. Sky Marshals, Rasterfahndung und Körper-scanner - nach dem Bombenalarm am Münchner Flughafen rüsten Politiker und Polizei bei der Sicherheit auf. Die EU-Innenminister vereinbarten mit ihrer US-Kollegin Janet Napolitano schärfere Kontrollen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach sich für den Einsatz der umstrittenen Körperscanner in Flughäfen aus - zunächst allerdings auf freiwilliger Basis. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir damit als Angebot beginnen", sagte er am Donnerstag beim Treffen mit seinen EU-Kollegen im spanischen Toledo.

In München war weiter unklar, wie ein Mann mit seinem möglicherweise mit Sprengstoff präparierten Laptop in den Sicherheitsbereich entwischen konnte. Von dem Mann mit dem verdächtigen Laptop fehlt weiterhin jede Spur. Eine Auswertung von Videoaufnahmen ergab keine Hinweise auf dessen Identität, teilte Flughafensprecher Albert Poerschke mit. Nach der Panne waren mehr als hundert Flüge verspätet oder wurden gestrichen.

Personenkontrollen am Münchner Flughafen übernehmen - wie in vielen anderen deutschen Städten - private Firmen. "Ich glaube, dass wir davon ausgehen müssen, dass es sich hier um menschliches Fehlversagen handelte", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg. Auch für Thomas Hacker, FDP-Fraktionschef im bayerischen Landtag, liegt das Problem beim Personal. "Erneut zeigt sich, dass die Technik funktioniert", sagte Hacker. "Wenn Fehler passieren, dann durch fehlende Personalausstattung." In dem Fall hätte auch kein Nacktscanner geholfen.

Bei den Beratungen mit US-Heimatschutzministerin Napolitano einigten sich die EU-Minister auf strengere Kontrollen an Airports und den vermehrten Einsatz von Sicherheitskräften in den Flugzeugen. In den USA fliegen verdeckt arbeitende Sky Marshals bereits seit Jahrzehnten mit.

Daneben soll auch der Austausch von Passagierdaten verstärkt werden - nicht nur zwischen Europa und den USA, sondern auch innerhalb der EU. "Die Weitergabe ist absolut nötig, denn Terroristen können ja auch ein Flugzeug von London nach Madrid nehmen", sagte der spanische Innenminister und EU-Ratsvorsitzende Alfredo Pérez Rubalcaba.

Weihnachten war ein Anschlag auf ein US-Flugzeug knapp vereitelt worden. dpa

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