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Nach Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge: Jüdische Gemeinden in Sorge

Nach Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge: Jüdische Gemeinden in Sorge

Der Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal und die Ereignisse von Essen und Düsseldorf werfen Fragen nach Sicherheit auf.

Düsseldorf/Wuppertal. Die Ereignisse rund um die Synagoge in Wuppertal versetzt Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen in Sorge. „Natürlich habe ich sofort mehrere Anfragen bekommen, ob die Sicherheit unserer Einrichtungen gewährleistet ist“, sagt Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Die Menschen machten sich Sorgen — den Begriff „Angst“ nimmt er nicht in den Mund.

Hetzbriefe gegen die Gemeinde in der Landeshauptstadt, angeblich geplante Aktionen gegen die Synagoge in Essen und in der Nacht zu Dienstag der Brandanschlag mit einem Molotowcocktail auf das Gotteshaus in Wuppertal — die Übergriffe auf jüdische Einrichtungen seit dem neuerlichen Aufflammen des Gaza-Konflikts häufen sich.

„In den vergangenen Wochen ist einiges hochgekommen. Wenn Menschen mit Steinen oder Brandsätzen auf unsere Gotteshäuser werfen, hat das aus meiner Sicht aber nichts mit der Politik in Israel zu tun. Das ist grundsätzlicher Antisemitismus, gezielte Feindschaft gegenüber Juden“, sagt Szentei-Heise, der die jüngsten Geschehnisse auf das Schärfste verurteilt und den deutschen Rechtsstaat bei der Bekämpfung von Antisemitismus vor einer Herausforderung sieht.

„Eltern, die ihre Kinder in jüdische Tagesstätten oder Grundschulen schicken, machen sich selbstverständlich in diesen Tagen wieder vermehrt Gedanken über die Sicherheit — wenn sie ihre Kinder dann zuhause lassen, haben die Täter genau das erreicht, was sie wollen“, sagt Szentei-Heise.

Bislang gilt in Nordrhein-Westfalen, dass die Polizeibehörden der Kommunen selbst bestimmen, in welchem Umfang sie jüdische Einrichtungen bewachen und schützen. In Düsseldorf werden sie rund um die Uhr bewacht. „Das funktioniert bei uns seit vielen Jahren sehr gut“, sagt Szentei-Heise. „Mit Blick auf andere Kommunen in NRW ist jetzt der Innenminister gefordert. Wir brauchen Direktiven, die verbindlich sind.“ Bei einer Beruhigung der Sachlage könnten Sicherheitsmaßnahmen immer noch zurückgefahren werden, so der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde.

Dass zumindest die Drohungen gegen die Essener Synagoge vor rund zwei Wochen durch den Gaza-Konflikt ausgelöst worden waren, hält er für möglich — trotz der Annahme, dass der Anschlag in Wuppertal nicht durch die Lage in Nahost motiviert war. In Essen hatte die Polizei im Vorfeld einer Pro-Palästina-Demo am 18. Juli insgesamt 15 Verdächtige festgenommen, gegen die wegen des Verdachts auf „Verabredung zu einem Verbrechen“ ermittelt wird.

In Düsseldorf hat es seit der Verschärfung des Nahost-Konflikts zu Hetzpost gegenüber der Jüdischen Gemeinde gegeben. Briefe, extremistische Magazine und ein Aufruf zur Vernichtung von Menschen auf einer Postkarte landeten dabei im Briefkasten. „Bei den Demos hört man immer wieder ,Kindermörder Israel’. Das ist schon grenzwertig, aber wenn jemand ,Tod den Juden’ schreibt, ist das klar formuliert und zutiefst besorgniserregend“, sagt Szentei-Heise.