Laschet drängt auf Abschaltung von Tihange - Besuch in Belgien

Laschet drängt auf Abschaltung von Tihange - Besuch in Belgien

Mehrmals wurde der Besuch verschoben - nun stellt sich NRW-Ministerpräsident Laschet offiziell bei der belgischen Regierung vor. Im Gepäck hat Laschet die Kritik am Weiterbetrieb der Pannenreaktoren in Tihange und Doel.

Düsseldorf. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat Belgien erneut aufgefordert, die störanfälligen Atomkraftwerke Tihange nahe Aachen und Doel bei Antwerpen stillzulegen. „Je schneller, desto besser“, sagte Laschet der belgischen Tageszeitung „De Standaard“ (Dienstag). Laschet reist am Dienstag zu eintägigen Gesprächen mit der belgischen Regierung nach Brüssel.

Er erneuerte sein Angebot an Belgien, als Ersatz für Atommeiler Strom aus NRW zu liefern. Es handele sich um einen Strommix aus Kohle, Braunkohle und erneuerbaren Energien. „Dem Strom sieht man nicht an, aus welcher Quelle er kommt“, sagte Laschet mit Blick auf Kritik an der Braunkohle.

Umweltverbände hatten die Offerte Laschets wegen des Einsatzes der umstrittenen Braunkohle ein „vergiftetes Angebot“ genannt. Laschet sagte in dem Interview, Braunkohle sei erschwinglich. Und Elektrizität „aus dieser breiten Mischung“ sei sicherer als Atomkraftwerke, in denen Vorfälle langfristig sehr folgenschwer sein könnten. Vor allem in der Aachener Region herrscht Sorge, sollte es zu einem Atomunfall im Nachbarland Belgien kommen.

Für den Transport großer Mengen Strom nach Belgien gibt es allerdings nicht genügend Leitungen. Bisher sei eine Hochspannungsleitung im Bau, die aber nur ein Gigawatt transportieren werde, sagte Laschet. Er habe der belgischen Seite vorgeschlagen, das Planungsverfahren in Deutschland zu beschleunigen, um eine zweite Leitung zu schaffen.

Der NRW-Regierungschef führt bei seinem Antrittsbesuch in Belgien Gespräche mit Premier Charles Michel und den Chefs der Regionalregierungen. Laschet wird auch von König Philippe empfangen und trifft deutsche und belgische Wirtschaftsvertreter. dpa

Mehr von Westdeutsche Zeitung