Wirtschaftsstandort NRW: Wie die NRW-Regierung in Künstliche Intelligenz investieren will

Die NRW-Landesregierung will Forschung und Wirtschaft bei dem Zukunftsthema eng verzahnen. Ein Masterplan wird erarbeitet. Die SPD kritisiert die Pläne.

Über die Künstliche Intelligenz (KI) macht sich seit dem Sommer eine Kommission aus Bundestagsabgeordneten und Sachverständigen Gedanken. Und zwar noch bis zum Herbst 2020. Erst dann soll es Ergebnisse geben – zu den wirtschaftlichen Chancen, aber auch zu den gesellschaftlichen Risiken. „So lange können wir nicht warten, wir müssen selbst tätig werden“, sagte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart am Dienstag.

Zusammen mit seiner Kabinettskollegin, der Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, trat der FDP-Politiker vor die Presse, um zu verkünden, was das schwarz-gelbe Kabinett zuvor beschlossen hatte: „Nordrhein-Westfalen will bundesweit eine führende Rolle beim Thema Künstliche Intelligenz einnehmen.“

Am 1. Dezember soll zu diesem Zweck eine Kompetenzplattform KI.NRW an den Start gehen. Hierfür sind in den kommenden fünf Jahren Mittel von 25 Millionen Euro geplant. Die Aufgabe übernimmt das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme in Sankt Augustin. Und dieses soll bis Mitte nächsten Jahres einen „Masterplan KI für Nordrhein-Westfalen“ vorlegen.

Für Pfeiffer Poensgen ist die KI eine Schlüsselfrage für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort NRW. Schon jetzt habe man da im Bundesvergleich die Nase vorn, neben Baden-Württemberg und Bayern. Doch im Vergleich etwa zu den USA oder Asien sei noch viel Luft nach oben. Die Ministerin will ein Rückholprogramm für ins Ausland abgewanderte Forscher auflegen. In den kommenden fünf Jahren will man dafür 7,5 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Ihr Kollege Pinkwart wies auf eine Facette des Rückstands bei der Künstlichen Intelligenz hin. Mit Blick auf US-Plattformen wie Facebook sagte er, dass „wir doch längst deren KI-basierte Systeme füttern und diese immer intelligenter machen, ohne dass es unsererseits eine Partizipation und kritische Reflexion gibt“. Man müsse selbst daran gehen, sich die KI in verantwortungsvoller Weise nutzbar zu machen. Wissenschaft und Wirtschaft sollen bei dem Thema miteinander verzahnt werden, der ethische und gesellschaftliche Diskurs auch mit den Bürgern geführt werden.

SPD fordert, die Beschäftigten mit einzubeziehen

KI, das gibt es freilich längst in unserem Alltag, von Sprachassistenzsystemen bis zu komplexen Dienstleistungen in der Logistik. Die rasanten Fortschritte ziehen gesellschaftliche Folgen nach sich. All das soll in dem Masterplan mitgedacht werden. Christina Kampmann, Sprecherin der SPD-Fraktion für Digitalisierung, kritisiert indes, dass es der Landesregierung an klar definierten Zielen und Visionen für NRW fehle. „Während die Bundesregierung bereits drei Milliarden bis zum Jahr 2025 für KI zugesagt hat, stellt die Landesregierung gerade einmal 25 Millionen Euro bis 2025 zur Verfügung.

Dieser Tropfen auf den heißen Stein wird Nordrhein-Westfalen garantiert nicht zum Standort Nummer eins für Künstliche Intelligenz machen.“ Ihre Partei wolle auf die Menschen zugehen und vor Ort, wo die Digitalisierung umgesetzt wird, präsent sein, verspricht Kampmann. Neue Technologien dürften nicht an den Beschäftigten vorbei eingeführt werden. „Wir fordern, dass umfassende Mitbestimmung auch dann greift, wenn KI-basierte Technologien im Unternehmen zum Einsatz kommen.“

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