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Familienpolitik in NRW: Kommission: Familien brauchen mehr Zeit

Familienpolitik in NRW : Kommission: Familien brauchen mehr Zeit

Politik macht Vorschläge für weniger Stress und mehr Rechte — auch bei Patchwork-Familien.

Düsseldorf. Familien in NRW sind immer vielfältiger — aber auch immer mehr unter Zeitdruck. Das sind Ergebnisse der Enquêtekommission zur Familienpolitik, die im NRW-Landtag zwei Jahre lang an einem Handlungskonzept als Blaupause für künftige Landesregierungen dienen soll.

„Eltern stecken in einem Sandwich“, erklärt Walter Kern (CDU) das Problem. Ein Sandwich zwischen Familie und Arbeit. Aber auch die Kinder, so ist im Bericht zu lesen, erleben eine zunehmende Ökonomisierung ihres Lebens. Da gilt es gegenzusteuern, glauben die Politiker. Zunächst einmal in der Wirtschaft. „Die Kommission ist sich einig, dass die Arbeitswelt familiengerechter werden muss und nicht die Familie arbeitsweltgerechter“, sagt die Vorsitzende des Gremiums, Ingrid Hack (SPD). Aber auch die Politik könne auf unterschiedlichen Ebenen etwas tun. Einige Vorschläge:

Die Kommission empfiehlt den Tarifparteien, sich bei dem Abschluss von Tarifverträgen an einer Personalpolitik zu orientieren, die die verschiedenen Lebensphasen von Familien aufnehmen — und das Land solle prüfen, ob solche Unternehmen eher öffentliche Aufträge bekommen. Außerdem sei wichtig, dass Mütter wieder mehr arbeiten, Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen könnten — durch vollzeitnahe Teilzeitarbeit, auch „Vollzeit light“ genannt.

Damit auch die Kinder wieder mehr Zeit für Familie haben, will die Kommission pro Woche einen schulfreien Nachmittag.

Auch Infrastruktur, so die Kommission, ist wichtig, um Familien mehr Raum und Zeit zu verschaffen. So brauchten Familien bezahlbaren Wohnraum — in bestimmten Stadtteilen solle es bei Neubauten einen Anteil von mehr als 25 Prozent öffentlich geförderten Wohnungen geben. Zudem sollten Schulhöfe als Freizeitflächen nachmittags geöffnet werden.

Das Modell der Familienzentren, die neben der Betreuung auch Beratung bieten, solle von der Kita auch auf die Grundschule ausgedehnt werden. Zudem sollten Kommunen ihre Serviceleistungen in Familienbüros bündeln, die Familien bei der Orientierung helfen.

Entlastungen für Familien schlägt die Kommission auch bei den Finanzen vor — etwa ein günstiges Schülerticket unabhängig von der Distanz zwischen Wohnung und Schule. Heiß diskutiert haben die Politiker aber auch, ob die Gesellschaft statt der Familie für die Ausbildung von Kindern zahlen sollte — weil von dieser schließlich alle profitierten. Wolfgang Jörg von der SPD fordert deshalb, Bildung solle immer steuerfinanziert sein.

Die Enquêtekommission hat zudem festgestellt, dass die Rechte von Familien sich nicht mehr an der Realität orientieren. So lebten in NRW immer mehr Alleinerziehende, Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern und Patchwork-Familien. Die Kommission fordert, dass alle diese Familien rechtlich gleichwertig sind. Dazu gehöre die Elternschaftsvermutung für Neugeborene auch bei gleichgeschlechtlichen Partnern oder Kinderkrankentage für Stiefeltern. Die Landesregierung könne solche Vorschläge durch den Bundesrat einbringen, hieß es.