Skandal in der Haftanstalt Wuppertal-Ronsdorf: JVA vermisst 1000 Schuss Munition

Skandal in der Haftanstalt Wuppertal-Ronsdorf: JVA vermisst 1000 Schuss Munition

Aus der Waffenkammer der Haftanstalt in Wuppertal-Ronsdorf ist eine Kiste der Neun-Millimeter-Patronen verschwunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Wuppertal. Die skandalträchtige JVA in Wuppertal-Ronsdorf kommt nicht aus den Schlagzeilen hinaus. Jetzt wurde bekannt, dass seit spätestens Mai eine Kiste Munition mit 1000 Schuss aus der Waffenkammer des Gefängnisses verschwunden ist. Wie es dazu kommen konnte, ist noch unklar.

Aus der JVA gibt es keine Informationen dazu. Der stellvertretende Leiter Thomas Eidam verweist darauf, dass es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt. Die kommissarische Leiterin Katja Grafweg ist derzeit im Urlaub. Und auch aus dem Justiz-Ministerium heißt es: „Wir können zum laufenden Verfahren nichts sagen, das würde die Ermittlungen gefährden.“

Oberstaatsanwalt Wolf Tilman Baumert, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal, bestätigt, dass am 20. Mai eine Anzeige der Leiterin eingegangen ist. Danach fehlen 1000 Schuss der Neun-Millimeter-Patronen, wie sie die Justizvollzugsbediensteten und auch Polizisten in NRW benutzen.

„Wir haben zunächst überprüft, ob es eine einfache Erklärung dafür gibt“, berichtet Baumert. Doch es handelte sich nicht um einen Zählfehler und es war auch keine Kiste bei Übungen auf dem Schießstand der Polizei stehengeblieben. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Munition gestohlen wurde, und haben Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen.“ Sie klärten unter anderem, wer Zugang zur Waffenkammer hatte, und überprüften die Mitarbeiter. Von einem ähnlichen Vorfall hat Baumert noch nicht gehört.

Die Munition ist für die Pistolen von Polizei oder Justizbediensteten gedacht, kann auch für Maschinenpistolen verwendet werden. Im Geschäft ist sie nicht zu kaufen — der Verkauf auf dem Schwarzmarkt könnte also eine Option sein, meint Baumert auf Nachfrage. 1000 Patronen sei nicht wenig: „Das wiegt etwa zwölf Kilo“, sagt Baumert. Nach Angaben eines Waffenhändlers sei eine typische Packung etwa so groß wie zwei Backsteine.

Wie so etwas aus einer JVA verschwinden kann, dafür hat auch Peter Brock, Landesvorsitzender beim Bund der Strafvollzugsbediensteten, keine Erklärung. „Ich war der Ansicht, dass vielleicht einfach die Zahlen falsch sind.“ Es werde stets dokumentiert, wer den Schlüssel für die Waffenkammer benutze. An Spekulationen über die Tat will er sich nicht beteiligen. Er kann sich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat. Es tut ihm leid um die Kollegen in Ronsdorf: „Sie haben schon so viel erlebt. Die versuchen ihr Bestes.“

Damit bezieht er sich auf die zahlreichen Vorfälle an, die das 2011 eröffnete Gefängnis immer wieder in die Diskussion brachten: Drei junge Gefangene haben sich seit Bestehen selbst getötet. Ende April tötete sich eine Justizvollzugebedienstete (30) mit ihrer Dienstpistole in der Anstalt. Dass das Verschwinden der Munition bei dieser Gelegenheit auffiel, kann Baumert nicht bestätigen: „Mir ist kein Zusammenhang bekannt.“ Im Mai hat ein Häftling einen Mithäftling beim gemeinsamen Umschluss in der Zelle erwürgt.

Immer wieder gab es Stimmen, die Anstaltsleitung habe die Situation nicht im Griff, das Personal sei zu jung, im letzten September verließ Anstaltsleiter Rupert Koch das Haus. Seither ist Katja Grafweg kommissarische Leiterin. Sie hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass sie weiter Leiterin der JVA Remscheid bleiben will,

Im September wird Karin Lammel, bisher stellvertretende Leiterin der JVA Bochum, die Leitung in Ronsdorf übernehmen. Sie wird dann unter besonderer Beobachtung stehen — ob es ihr gelingt, die JVA aus den Schlagzeilen zu bekommen.

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