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Konflikt: Jäger erlegen in NRW rund 982 000 Tiere

Konflikt : Jäger erlegen in NRW rund 982 000 Tiere

In der Saison 2014/2015 steigt die Zahl der Abschüsse um 26 000. Weidmänner sprechen von Hege, Tierschützer von Unfug.

Düsseldorf. Die Zahl der erlegten Tiere ist in Nordrhein-Westfalen laut Landes-Umweltministerium in der Saison 2014/2015 um 26 000 auf 982 000 gestiegen. Ein Grund für die Steigerung ist, dass die Natur die Schäden nach dem Orkan Kyrill vor acht Jahren überwunden hat. Mit 355 000 Exemplaren war die Ringeltaube das am häufigsten geschossene Tier. 113 815 Aaskrähen ließen ihr Leben und mehr als 63 000 Stück Rehwild. Die Abschussquote beim Fuchs hat einen Zuwachs von 29 Prozent auf 48 444 Tiere. 47 000 Feldhasen liefen Jägern vor die Flinte, das bedeutet zum siebten Mal in Folge einen Rückgang.

„Wir jagen ausschließlich wilde Ringeltauben, die in Schwärmen außerhalb der Städte leben“, sagt Andreas Schneider, Sprecher des Landesjagdverbands NRW. Dabei seien die insgesamt 80 000 Jäger behördlich angehalten, die Tiere intensiv zu bejagen. Grund: Ringeltauben richten laut Schneider große Schäden in der Landwirtschaft an. Vor allem Getreide- und Gemüsefelder seien ihr Ziel. Die Schäden gehen in die Millionen, wie Schneider erklärt. Die Tiere landen schließlich auf dem Speisezettel und „schmecken köstlich“, wie Schneider versichert.

Letzteres passiert Aaskrähen nicht, sie werden aber aus zwei Gründen gejagt. Auch sie richten Schäden in der Landwirtschaft an — und sind als Nesträuber bei Singvögeln, Bodenbrütern bis hin zu jungen Hasen eine Gefahr für die Artenvielfalt, so der Jäger. „Das ist auch nicht im Rahmen der Änderungen des Jagdgesetzes in Frage gestellt worden“, versichert Schneider. Aaskrähen haben zudem eine für Landwirte teure Marotte. Sie picken Silagefolien an. Wenn zum Beispiel Gras-Silagen mit Luft in Berührung kommen, verderben sie.

„Auch Füchse werden im Rahmen des Artenschutzes bejagt“, erklärt Schneider. Sie fressen unter anderem Bodenbrüter und gefährdete Kleintiere. Hierzulande sind nicht zuletzt Rebhühner und Feldhasen Beute von Füchsen, sehr zum Unwillen der Jägerschaft. „Ihre Bestände gehen zurück“, sagt Schneider. Die Jäger hätten in den vergangenen Jahren oftmals freiwillig darauf verzichtet sie zu jagen, damit sich die Bestände erholen können. Dazu passen allerdings nicht zu viele Füchse.

Ralf Unna, Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW, sieht die Abschüsse aber sehr kritisch: „Populationskontrolle mit Gewehr ist immer Unfug.“ Er hat zwar nichts dagegen, dass Tiere gejagt werden, die anschließend auch gegessen werden, aber erstens in Maßen und zweitens eben nicht zur Reduzierung von Beständen. „Das müsste wissenschaftlich begleitet werden, wird es aber nicht“, sagt Unna. Er führt das Beispiel von verwilderten Hauskatzen an, die vor Änderung des Jagdgesetzes noch geschossen werden durften. Unna: „Anstatt sie zu kastrieren hat man 10 000 pro Jahr getötet. Damit hält man die Population jung und fortpflanzungsfähig.“ Der Tierarzt nennt eine Ausnahme, wo Abschüsse seiner Meinung unvermeidbar sind: „Wildschweine sind ein großes Problem geworden. Sie verwüsten Felder und sind im Wald für Spaziergänger gefährlich, vor allem wenn Bachen Junge haben.“

Unna kennt natürlich die Argumentation der Jäger in Bezug auf den Schutz von Bodenbrütern und nennt sie quatsch. „Bodenbrüterpopulationen in Stadtgebieten sind trotz vieler Katzen deutlich größer als zum Beispiel in der Vulkaneifel.“ Die Gründe seien ein höheres Nahrungsangebot, bessere Versteckmöglichkeiten und eine höhere Umgebungstemperatur.