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Iglu- und TimsStudie: Grundschulen haben Hausaufgaben gemacht

Iglu- und TimsStudie: Grundschulen haben Hausaufgaben gemacht

Die Probleme beginnen erst beim Übergang in die weiterführenden Klassen.

Berlin. Am Ende der vierten Klasse können sich die Grundschüler in Deutschland mit ihren Leistungen international gut sehen lassen - nicht nur im Lesen. Das gilt auch für das Verstehen von Texten, für das Rechnen sowie für naturwissenschaftliches Wissen, wie die jüngsten Schulstudien Iglu und Timss erneut belegen. Doch werden die Viertklässler dann Jahre später als 15-Jährige bei Pisa getestet, gibt es für Deutschland im weltweiten Vergleich den großen Einbruch.

Seit die Kultusministerkonferenz (KMK) Mitte der 90er Jahre entschied, sich wieder an der internationalen Schulforschung zu beteiligen, liegt inzwischen ein umfassendes Bild der deutschen Bildungslandschaft vor - aufgezeichnet in etlichen Studien.

"Die Grundschule hat ihre Hausaufgaben gemacht", sagt Iglu-Forscher Wilfried Bos. Gleichwohl legt Bos den Finger in die Wunde und verweist auf die Probleme beim Übergang der Viertklässler auf die weiterführenden Schulen. Laut Iglu-International bekommt in Deutschland das Kind eines Arztes selbst dann eine Empfehlung fürs Gymnasium, wenn es nur mäßige Leistungen erzielt. Ein gleichaltriges Kind aus der Unterschicht muss dagegen für eine solche Gymnasialempfehlung im Schnitt 77 Iglu-Leistungspunkte mehr erbringen, was dem Lernfortschritt von eineinhalb Schuljahren entspricht.

NRWs Viertklässler haben bei Iglu 543Punkte erreicht, 13Punkte mehr als fünf Jahre zuvor. Laut Studie ist dieser Zuwachs "durchaus relevant". Der Vorsprung der Mädchen bei den Leseleistungen ist in NRW mit nur fünf Punkten geringer als in den meisten anderen Bundesländern. Nur zwölf Prozent aller Schüler lesen nie oder fast nie außerhalb der Schule.

Das ist der niedrigste Wert in Deutschland. Der Leistungsvorsprung von Kindern aus Elternhäusern mit mehr als 100Büchern hat sich in NRW deutlich verringert. Die Leseleistungen von Kindern aus Zuwandererfamilien sind relativ gut. Kinder, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden, haben 27Punkte weniger erreicht als Gleichaltrige mit Vater und Mutter aus Deutschland. Im Bundesdurchschnitt beträgt die Differenz 48 Punkte.

Im weltweiten Timss-Schulvergleich in Mathematik und Naturwissenschaften liegen die Viertklässler in Deutschland übrigens auch im oberen Leistungsdrittel der 37 Teilnehmerstaaten. In Mathe erreichen sie 525 Punkte und verfügen damit gegenüber dem Durchschnitt Gleichaltriger aus anderen Industrienationen über einen Lernfortschritt von einem Schuljahr.