Holocaust-Gedenktag: „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen“

Holocaust-Gedenktag: „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen“

Schüler aus Krefeld und Nettetal gedenken in Auschwitz der getöteten Juden.

Oswiecim. Berge von Haaren, ein ganzer Raum voller Schuhe, die während des Zweiten Weltkriegs Juden oder anderen Verfolgten gehörten, und dort zu stehen, wo einst Menschen vernichtet wurden — das lässt den Schülern des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums in Krefeld und der Gesamtschule Nettetal den Atem stocken. „Das bedrückt einen schon“, sagt Fabian Diederich (17) sichtlich bewegt.

Der Krefelder besuchte mit 25 Mitschülern das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. „Man muss sich das aber antun“, glaubt der Oberstufenschüler. „Das Thema begleitet einen während der ganzen Schulzeit. Wenn dann die Möglichkeit besteht, Auschwitz zu sehen, ist es deshalb eine Selbstverständlichkeit, das auch wahrzunehmen.“

Finanziell unterstützt wird die Schule von der Stiftung „Erinnern ermöglichen“ des Unternehmer-Ehepaars Bethe aus Bensberg. „Als ich jung war, war das Thema ein Tabu“, erinnert sich Roswitha Bethe, die an diesem Wochenende insgesamt drei Schulklassen mit NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) bei Führungen durch Auschwitz begleitet.

Vor 30 Jahren sah sie das Konzentrationslager zum ersten Mal. Als Bethe und ihr Mann 2008 hörten, dass Birkenau zu zerfallen drohte, hatten sie das Gefühl, handeln zu müssen. „Jeder Mensch sollte Auschwitz gesehen haben.“ Aber, so betont Bethe, begleitet von einem pädagogischen Rahmenprogramm.

Das liegt auch Löhrmann am Herzen: „Die Qualität der Auschwitzbesuche ist wichtig. Es muss eine pädagogische Vor- und Nachbereitung geben.“ Die Krefelder Schüler haben sich mehrere Monate in vielen Treffen außerhalb der Schulzeit auf das, was sie erwartet, vorbereitet. „Wir haben die Judenverfolgung in unserer Stadt thematisiert, haben zum Beispiel Stolpersteine gesucht und waren in der Synagoge“, berichtet Felix Schmidt (16). „Dass diese Vorbereitung notwendig ist, versteht man aber erst richtig, wenn man hier ist“, findet Diederich. „Und erst, wenn man hier war, kann man ein bisschen verstehen, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist“, glaubt Alex von Borstel (17).

Die Schüler trafen auch den Zeitzeugen und Auschwitz-Überlebenden Waclaw Dlugoborski (87). Seine Botschaft: „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen.“ „Es ist eine tolle Chance, dass wir mit einem Zeitzeugen sprechen können“, sagt Leonard Vogel (16). Auch Janine Beyer (17) ist beeindruckt: „Zu wissen, dass wir dort gestanden haben, dass wir die Orte gesehen haben, von denen Dlugoborski erzählt, das ist schon komisch.“

„Es ist eine Extremsituation, sich mit Auschwitz zu beschäftigen“, sagt Löhrmann den Schülern und lobt deren Interesse. „Ihr seid Botschafter für ein friedfertiges, starkes NRW, darüber freut sich die Ministerin Sylvia Löhrmann, aber ganz besonders der Mensch Sylvia Löhrmann.“

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