Große Koalition ohne Althaus

Große Koalition ohne Althaus

Dieter Althaus hat entgegen eigenen Aussagen so wenig einen Gestaltungsauftrag der Wähler bekommen wie sein Kollege an der Saar, Peter Müller. Wer im zweistelligen Bereich Zustimmung verliert, sollte persönliche Konsequenzen ziehen - vor allem dann, wenn der Wahlkampf wie in Thüringen ganz auf den Spitzenmann zugeschnitten war.

Richtig ist, dass die CDU in beiden Bundesländern stärkste Partei geworden ist. Wenn überhaupt, ist sie es, die einen Gestaltungsauftrag vom Wähler hat. Und dazu gehört dann eben auch, auf diejenigen Druck auszuüben, die an ihren Sesseln kleben.

Die spannende Konsequenz in Erfurt könnte sein, dass sich ein Vierter freut, wenn sich drei streiten. Denkbar wäre also, dass weder SPD-Mann Christoph Matschie noch Linken-Mann Bodo Ramelow noch Althaus eine neue Regierung führen werden, sondern die auch in der SPD geachtete Sozialministerin von der CDU.

Eine Große Koalition unter Christine Lieberknecht wäre für die SPD allemal besser, als kurz vor der Bundestagswahl einzuknicken und - trotz aller gegenteiligen Beteuerungen - den Steigbügelhalter für Ramelow zu spielen. Sollte das nämlich passieren, wird die SPD am 27. September erleben, wie sich das Sachsen-Ergebnis bundesweit anfühlt: auf Augenhöhe mit der FDP zu sein.

alexander.marinos@wz-plus.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung