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Gefängnisdirektor der JVA Bochum entlassen

Gefängnisdirektor der JVA Bochum entlassen

Nach einer Ausbruchserie wird der Chef der JVA Bochum suspendiert. Ihm werden schwere Versäumnisse vorgeworfen.

Bochum. Der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (SPD/Foto) hat Konsequenzen aus der Ausbruchserie in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bochum gezogen. Mit sofortiger Wirkung suspendierte er am Freitag den Leiter der JVA, Friedhelm von Meißner (64). Er war erst seit etwas mehr als einem Jahr im Amt.

In seiner kurzfristig anberaumten Pressekonferenz griff der Minister zu drastischen Worten. Der Gefängnisdirektor habe gegen elementare Regeln verstoßen, wetterte Kutschaty. So monierte er sowohl massive Versäumnisse im Gefängnis als auch in der Kommunikation zwischen von Meißner und dem Ministerium. „In Teilen sind wir unzutreffend, unvollständig und zum Teil sogar unzutreffend informiert worden“, lautet das harsche Urteil Kutschatys. Über die weitere Verwendung von Meißners werde in den kommenden Tagen entschieden. Insider erwarten eine Versetzung in den Ruhestand.

Seit Jahresbeginn waren insgesamt drei Straftäter in Bochum geflüchtet. Zwar sind alle wieder hinter Schloss und Riegel, aber die Umstände ließen auf schwere Versäumnisse sowohl in der Organisation innerhalb der JVA Bochum wie auch im konkreten Umgang mit den einzelnen Häftlingen schließen, sagte Kutschaty.

Der letzte der drei Ausbrecher war bei einem Krankenhausaufenthalt entwichen, wurde aber schon drei Stunden später wieder gefasst. Kutschaty sagte, der Mann hätte bewacht werden müssen, da er aus dem geschlossenen Vollzug kam. Zudem sei er erst zu spät von der schnellen Festnahme unterrichtet worden. Ein anderer Ausbrecher war außerhalb des Gefängnisses in einer Putzkolonne eingesetzt, als er floh. Auch das war fehlerhaft, so Kutschaty. Denn der Mann stehe unter Tötungsverdacht und hätte nicht außerhalb der Haftanstalt eingesetzt werden dürfen.

In der kommenden Woche muss Kutschaty vor dem Rechtsausschuss zur Ausbruchserie Stellung nehmen. Persönlich sehe er sich nicht unter Druck, sagte Kutschaty. Schließlich habe er schon vor Wochen eine Kommission beauftragt, die Dinge im Bochumer Gefängnis zu klären.