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Ärmer gerechnet: Gebühren-Kommission: Bericht enthüllt WDR-Bilanztricks

Ärmer gerechnet : Gebühren-Kommission: Bericht enthüllt WDR-Bilanztricks

Peinlich: Die Gebühren-Kommission weist nach, dass der WDR sich um 61,3 Millionen Euro ärmer gerechnet hat als er ist.

Köln/Düsseldorf. Auf den allerletzten Drücker informierte WDR-Intendant Tom Buhrow am Dienstag die WDR-Mitarbeiter in Düsseldorf, dass die Redaktionen der „Aktuellen Stunde“ und von „WDR aktuell“ samt ihrer Mitarbeiter in fünf Jahren aus dem Landesstudio am Hafen nach Köln umziehen sollen, und zwar in eine Immobilie des Schreckens: „Die Sanierung des Filmhauses Köln bietet die einmalige Chance, ein Herzstück der Crossmedialität zu schaffen“, pries Buhrow den Düsseldorfer Mitarbeitern das Projekt an.

Die Information kam keinen Tag zu früh. Denn seit gestern kann jeder im Bericht der unabhängigen „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten“ (KEF) nachlesen, dass der WDR sich auf dem Papier zur Finanzierung dieses Projekts um 61,3 Millionen ärmer gerechnet hat als er ist.

Gegenüber der KEF hatte der WDR angegeben, für die kommende Gebührenperiode von 2017 bis 2020 über Eigenmittel von 175,3 Millionen Euro zu verfügen. Die KEF rechnete nach und kam auf 236,6 Millionen, was 61,3 Millionen Euro mehr sind. So hatte der WDR zum Beispiel rund 500 000 Euro für Altersteilzeit- und sonstige Verpflichtungen (auszuzahlen nach erst 2020) aus den Eigenmitteln herausgerechnet - unzulässig nach den Regeln der KEF. Denn die Rückstellung ist ja vorhanden.

Das „Filmhaus“, eine WDR-Bausünde aus den 70er Jahren direkt am Appellhofplatz in der Kölner Innenstadt, ist ein Langzeitprojekt des Senders. Zur Aufgaben-Erledigung der dort heute und künftig ansässigen Redaktionen wäre die teure Innenstadtlage verzichtbar, aber in den Büros mit Blick auf Dom und Fußgängerzone wurde so lange gerechnet, bis ein sachlich geplantes Sendezentrum in Köln-Bocklemünd angeblich teurer war.

Keiner anderen Immobilien eines Senders widmet der KEF-Bericht so viele Anmerkungen wie dem „Filmhaus“-Plan des WDR. Buhrows Vorgängerin Monika Piel plante noch, das bröckelnde Gebäude in mehreren Teilsanierungen in Schuss zu bringen. Dafür wurden in der Vergangenheit auch jeweils Rückstellungen gebildet. Doch dann entschied der Sender laut KEF, „auf die geplanten Teilsanierungen zu verzichten und stattdessen eine Generalsanierung durchzuführen.“

Was der WDR zu der Planänderung nicht in seine Angaben über vorhandene Eigenmittel schrieb: Aufgrund der Rückstellungen der Vergangenheit hat er das Geld schon und kann die Sanierung entsprechend aus Eigenmitteln bezahlen. Der Vergleich der Daten habe ergeben, dass aufgrund der unterlassenen Teilsanierungen „tatsächliche Verbräuche und Auflösungen um 60,7 Millionen Euro unter den Annahmen lagen. Die Eigenmittel wurden damit im 16. Bericht und 18. Bericht zu stark gemindert, nämlich um insgesamt 60,7 Millionen Euro“.

Die KEF formuliert sehr deutlich: „Das ,Zurücklegen’ der Mittel kann nicht nachvollzogen werden. Nach eigenem Vortrag nahm die Anstalt keinen Plan-Ist-Abgleich vor, um diese Mittel für eine spätere Generalsanierung bereitzuhalen.“ Der WDR plant, die in einer Höhe von 101,3 Millionen Euro aufgelaufenen Rückstellungen für die unterlassenen Teilsanierung nun „am Stück“ für die Renovierung des Filmhauses auszugeben. Tatsächlich wird es teurer: Für neue Studios, Schnittplätze und sonstige Ausgaben hat der Sender weitere 28,7 Millionen Euro unter „Investitionen“ angemeldet.

Im Vorfeld des neuen WDR-Gesetzes, das der NRW-Landtag im Januar beschlossen hat und das eine Radio-Werbezeiten-Reduzierung vorsieht, zeigt sich der WDR chronisch unfähig, seine Einnahmen aus der Radiowerbung zu beziffern. Im KEF sind die Zahlen nun nachlesbar: An den Gesamtwerbeumsätzen der jahre 2013 bis 2016 in Höhe von 362,1 Millionen Euro beträgt der Radio-Anteil 63 Prozent oder 228,2 Millionen Euro. Das bedeutet: Die Einnahmeverluste durch das neue WDR-Gesetz werden rechnerisch bei weniger als 15 Millionen Euro pro Jahr liegen.

Dass der Plan, journalistische Präsenz in der Landeshauptstadt abzubauen und sich stattdessen die Kölner Innenstadt-Immobilien zu vergolden einem Racheimpuls Buhrows für das von ihm abgelehnte WDR-Gesetz folgt, kann man ausschließen. Der Plan ist älter als die Diskussion. Der WDR und sein Intendant hielten es lediglich nicht für nötig, die Politik davon zu informieren.