Fußball-Randale - Polizei soll in Fanblöcken eingreifen

Mehr Spielabsagen? : Fußball-Randale - Polizei soll in Fanblöcken eingreifen

Bengalos und Randale in den Fanblöcken der Bundesligaclubs will Innenminister Reul nicht länger hinnehmen. Er fordert eine härtere Gangart. Unterstützt wird Reul von Michael Mertens, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Am Wochenende zündeten Anhänger von Fortuna Düsseldorf in Mönchengladbach Bengalo-Dauerfeuer, Tage zuvor schlugen in Dortmund Chaoten mit Fahnenstangen auf Polizisten ein. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) will jetzt gegen solche Fußball-Randale härter vorgehen und die Fußball-Vereine, deren Dachverband Deutsche Fußball-Liga (DFL) und den DFB in die Pflicht nehmen: Personalisierte Tickets, Einlass- und Sicherheitskontrollen und mehr qualifizierte Ordner sollen her, wie das „bei Fußballspielen im Ausland oder bei Kontrollen an Flughäfen normal“ sei. „Für eine konkrete Umsetzung sind die Vereine und Verbände in der Pflicht“, sagt ein Ministeriumssprecher. Reul sagt: „Wenn es immer wieder gelingt, Pyrotechnik gleich kiloweise in die Stadien zu schmuggeln, habe ich meine Zweifel, ob die Einlasskontrollen mit der notwendigen Konsequenz durchgeführt werden. Deshalb ist es wichtig, dass Gewalttäter konsequenter ausgeschlossen und mit örtlichen und bundesweiten Stadionverboten belegt werden.“ Reul will sich dazu auf der Bundesinnenministerkonferenz (28. bis 30. November) mit seinen Kollegen beraten.

Chef der Gewerkschaft der Polizei unterstützt Reul

wird Reul von Michael Mertens, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der gegenüber dieser Zeitung „endlich härteres Durchgreifen der Vereine und Verbände“ fordert: „Wenn es je eine No-Go-Area für Polizisten in NRW gegeben hat, dann ist es der Fanblock in der Bundesliga.“ Es müsse „endlich wieder zur Selbstverständlichkeit werden“, dass Polizei auch in den Fanblöcken stehen und eingreifen könne. Personalisierte Tickets, wie sie Reul will und wie sie in der englischen Premier League gebräuchlich sind, fordert Mertens „mindestens“ für die Fanblöcke: „Dann haben wir einen eingeschränkten Personenkreis, das wirkt auch präventiv. Denn dort geschieht fast alles.“ Die Anhänger würden sich hinter einer Choreografie verstecken und maskieren, um danach unerkannt Bengalos abzufeuern. „Müssen wir wirklich warten, bis etwas Schlimmes passiert?“, fragt Mertens. Pyrotechnik sei verboten, weil hoch gefährlich und nicht zu löschen. Die Vereine hält er im Umgang mit ihren Anhängern für zu lasch. „Sie sind sensibel mit ihren Fans, weil sie von denen wiedergewählt werden wollen. Da sind Abhängigkeiten entstanden.“

Bald mehr Spielabsagen?

Auch der DFB knicke vor der „Macht der Fans“ ein. Die Einlasskontrollen funktionierten unzureichend, weil Ordner sich oft mit Fans solidarisierten – oder ausgetrickst würden. „Die Ultras verzögern ihre Ankunft, um dann kurz vor Spielbeginn Druck am Eingang zu erzeugen. Das ist Konzept.“ Von Fußball-Romantik will Mertens nichts mehr hören, wenn es um Pyrofeuer geht. Die Gesellschaft sei heute weiter als vor 20 Jahren. „Wir sind gesundheits- und gefahrenbewusster, heute gehen ganze Familien ins Stadion.“ Durch den Abbruch der Gespräche zwischen Fanvertretern und DFB eskaliere derzeit die Situation. Mertens prognostiziert, dass es bald vermehrt zu Spielabsagen in NRW komme. „Dann werden wir sagen müssen: Tut uns leid, aber das geht nicht mehr.“

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