"Fridays for Future": Das sagt ein Organisator zum Erfolg der Grünen

Interview : „Keine Partei kommt mehr am Thema Klimaschutz vorbei“

Lukas Mielczarek ist Mitorganisator der „Fridays for Future“-Demos in Düsseldorf. Die Bewegung ist klarer Gewinner der Wahl.

Herr Mielczarek, hat Sie der Ausgang der Europawahl überrascht?

Lukas Mielczarek: Die Tendenz war nach den Umfragen in den vergangenen Wochen zwar klar, trotzdem ist das ein krasses Ergebnis. Vor allem weil es so gegensätzlich zur vergangenen Landtagswahl ist. Dass die Grünen in Düsseldorf stärkste Kraft werden hätte ich nie gedacht.

Die „For-Future-Bewegung“ hatte unter dem Hashtag „#voteclimate“ die Europawahl zur Klimawahl erklärt. Jetzt hatten wir im Ergebnis eine hohe Mobilisierung und einen großen Gewinn für die Grünen. Klingt fast, als hätten in Wirklichkeit die Klimastreiker die Wahl gewonnen.

Mielczarek: Ich weiß nicht, ob wir als „Fridays for Future“ das geschafft haben – aber es ist ein Erfolg der Bewegung aus vielen verschiedenen Gruppen. Es war ein unglaublich gutes Gefühl. Unsere Botschaft verfängt und zwar gesamtgesellschaftlich. Sicher waren es vor allem viele junge Menschen, die Klimaschutz gewählt haben, aber eben nicht ausschließlich. Es zeigt, wie wichtig das Thema ist und keine Partei kommt daran mehr vorbei. Das ist wichtig, denn wir machen ja keine Wahlwerbung für die Grünen. Andere Parteien müssen reagieren und sich neu ausrichten. Wir erwarten, dass jetzt Antworten kommen – auch von der Bundesregierung.

Dass eine Europawahl für so viel Diskussionsstoff und Emotionen sorgt, ist ungewöhnlich. Worauf führen Sie das zurück?

Mielczarek: Ich glaube, viele haben jetzt verstanden, dass Europa keine Selbstverständlichkeit ist. Am Brexit, der immer noch in der Schwebe ist, hat man gesehen: Das darf bei uns nicht passieren.

Aus Sicht von „Fridays for Future“ ist also das starke Abschneiden der proeuropäischen Parteien positiv?

Mielczarek: Klimaschutz ist ein staatenübergreifendes Thema. Wir kämpfen zwar in den einzelnen Ländern, aber lösen werden wir das Problem nur, wenn wir es zusammen anpacken. Nationale Egoismen haben uns dahin geführt, wo wir heute sind. Wir sind ganz klar proeuropäisch.

Am vergangenen Freitag waren Sie in Düsseldorf wieder mit tausenden jungen Menschen auf der Straße. Das starke Abschneiden der Grünen jetzt ist auch vor allem der Mobilisierung junger Wähler zu verdanken. Erleben Sie eine Politisierung der Jugend?

Mielczarek: Auf jeden Fall! Vor ein paar Jahren war das noch sehr träge. Politisches Engagement fand in einer Blase statt. Jetzt ist es überall. Politik wurde sehr lange zugunsten der Älteren gemacht. Darauf haben viele keine Lust mehr – ob es jetzt ein Rezo ist oder eine Greta Thunberg und „Fridays for Future“. Die jungen Menschen sind gerade unglaublich politisch, auch in den sozialen Medien. Nicht immer auf Politikwissenschafts-Bachelor-Niveau vielleicht. Aber wir brauchen das trotzdem.

Über den Youtuber Rezo und sein Video „Die Zerstörung der CDU“ wurde vor der Wahl ja reichlich gestritten. Auch über das Niveau. Sie finden also sinnvoll, was er getan hat?

Mielczarek: Ja, das darf man nicht abtun. Sonst schaut man ja wieder bloß auf junge Menschen herab. Man kann so einen Beitrag hinterfragen und diskutieren, das ist Teil des Diskurses. Aber Rezo politisiert ja nicht nur, sondern er fängt schon gut ein, was junge Leute in Deutschland schon länger beschäftigt.

Glauben sie, dass diese Entwicklung zu einer politischeren Jugend nachhaltig sein wird?

Mielczarek: Das ist meine Hoffnung. Es wird sehr daran hängen, ob sich etwas bewegt. Sonst habe ich Sorge, dass Enthusiasmus in Verzweiflung umschlägt.

Sie sagen, das deutsche Wahlergebnis zeige, dass Ihr Anliegen gesamtgesellschaftlich verfängt. Denken Sie, das hätten Sie geschafft, wenn Sie – wie vielfach gefordert – brav am Wochenende demonstriert hätten, statt dafür zu schwänzen?

Mielczarek: Nein, die Breite hätten wir nicht erreicht, wenn wir nicht diese leichte Form des zivilen Ungehorsams gewählt hätten.

Was erwarten Sie für Europa nach dieser Wahl?

Mielczarek: Eine turbulente Zeit. Es werden Mehrheiten gesucht, die nicht einfach sind. Ob es in Richtung einer europäischen Verkehrs- und Energiewende geht, ist noch unsicher. So lange müssen wir weiter darauf drängen.

Der Kampf ist also nicht vorbei?

Mielczarek: Nein, der Kampf geht weiter. Das Wahlergebnis war vielleicht ein Etappensieg, aber längst nicht das Ende.

Mehr von Westdeutsche Zeitung