Fast 100 Prozent für Lindner

Fast 100 Prozent für Lindner

Der Spitzenkandidat bekommt nur eine Gegenstimme.

Düsseldorf. Ist das Herz voll und die Begeisterung groß, werden auch schon einmal mathematische Regeln großzügig ausgelegt: Bei dem FDP-Landesparteitag wurde Christian Lindner zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 13. Mai ausgerufen — mit 100 Prozent Zustimmung, wie der Tagungsleiter sagte. Die eine Gegenstimme wurde einfach weggerundet.

Auf Lindner, dem 33 Jahre alten Politik-Profi, der aus Wermelskirchen stammt und mittlerweile in Meerbusch lebt, ruhen sehr große Hoffnungen, muss er doch nichts weniger leisten, als die FDP zu retten. Mit einer überzeugenden Rede vor den 395 Delegierten impfte er den Liberalen ein, dass es tatsächlich etwas werden könnte mit dem Wiedereinzug in den Landtag.

45 Minuten sprach Lindner, frei, ohne Manuskript. Er schlug einen großen Bogen, machte Mut, skizzierte das Bild einer „souveränen FDP: selbstbewusst, aber auch bescheiden“. Ein Gegenentwurf also zum schillernden Guido Westerwelle ebenso wie zum zögerlichen Philipp Rösler.

„Gesunder Staat, faire Bildung und sicherer Wohlstand“ sind die drei Themenblöcke, die Lindner in den Mittelpunkt seiner Kampagne stellen will. Weniger Schulden, eine Garantie für das Gymnasium und die Wiedereinführung der Studiengebühren sowie eine wirtschaftsfreundliche Politik ohne „Gängelung der Industrie“, wie sie die Grünen betreibe — das soll die Wähler überzeugen.

Zunächst einmal begeisterte Lindner die eigenen Leute, die ihn minutenlang feierten. Sie bekamen eine Extra-Dosis Zuversicht verabreicht — da konnte man die unverändert schlechten Umfragewerte schon einmal für einige Zeit vergessen. Lindner bediente auch das Unterhaltungsfach, nannte CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen den „klügsten Grünen“, CDU-Frontmann Karl-Josef Laumann „den glaubwürdigsten Sozialdemokraten“ und die Piraten „Linkspartei mit Internetanschluss“.

Der Auftritt von Noch-Landesvorsitzendem Daniel Bahr fiel dagegen deutlich ab, ein Drittel seiner Rede befasste sich mit seiner Arbeit als Bundesgesundheitsminister. Großen Applaus erntete er für seine Ankündigung, auf dem Sonderparteitag am 6. Mai in Gütersloh Lindner zu seinem Nachfolger als Landesparteichef vorzuschlagen.

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