Notunterkunft in Burbach: Ermittlungen gegen 50 Personen wegen Misshandlung von Flüchtlingen

Notunterkunft in Burbach : Ermittlungen gegen 50 Personen wegen Misshandlung von Flüchtlingen

Sie hielten ihre Übergriffe auf Flüchtlinge in der Burbacher Unterkunft mit einem Video fest und posierten mit ihren Opfern. Seit Herbst ermittelt eine „Soko Heim“. Der Kreis der Beschuldigten ist groß.

Burbach/Siegen (dpa). Nach den Übergriffen auf Flüchtlinge in einer Notunterkunft in Burbach im Siegerland ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen gegen mehr als 50 Beschuldigte. Auch Mitarbeiter von Behörden geraten in den Fokus. Es sei eine Vielzahl möglicher Straftaten ans Licht gekommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen am Montag. „Wir ermitteln wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Nötigung.“

Neben den jeweiligen Tätern sollen auch Sozialbetreuer, die Heimleitung, Polizisten und Mitarbeiter der Bezirksregierung in Arnsberg von den Übergriffen gewusst haben, ohne dagegen einzuschreiten, teilte die Anklagebehörde mit. Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden könnten, sei noch unklar. „Eine Anklage-Erhebung ist nicht in Sicht“, sagte der Sprecher.

Ende September 2014 waren die Ermittlungen ins Rollen gekommen, als ein 27 Sekunden lange Video auftauchte. Es zeigt, wie ein Wachmann einen Asylbewerber zwang, sich auf eine Matratze mit Erbrochenem zu legen. Außerdem entdeckten die Ermittler Handy-Fotos, auf denen Wachleute mit ihren Opfern posierten.

In der Notunterkunft gab es ein „Problemzimmer“, in das offenbar häufiger Flüchtlinge eingesperrt wurden. Hier fanden auch die dokumentierten Übergriffe statt. Von dem vergitterten Raum in der ehemaligen Kaserne wussten nicht nur die Wachleute, sondern offenbar auch Betreuer und Vorgesetzte der Heimbetreiber-Firma EHC.

Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen sollen auch Polizisten vom Problemzimmer gewusst haben. „Wir ermitteln gegen namentlich noch nicht bekannte Beamte“, bestätigte der Sprecher der Siegener Staatsanwaltschaft. Außerdem gerieten nun auch zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg in den Fokus der Soko Heim.

„Sie sollen zumindest eine Ahnung davon gehabt haben, dass es dieses Problemzimmer gab“, sagte der Staatsanwalt. Deshalb werde gegen sie wegen des Anfangsverdachts der Freiheitsberaubung und Nötigung durch Unterlassen ermittelt. Ein Sprecher der Bezirksregierung in Arnsberg sagte, die betreffenden Mitarbeiter seien nun in einem anderen Bereich tätig.