Detektiv Mauss: Schattenmann im Rampenlicht

Detektiv Mauss: Schattenmann im Rampenlicht

Die Veröffentlichung der Vorwürfe gegen Mauss und Linssen ist vielleicht kein Zufall: Der "Focus" und Mauss liefern sich seit längerem einen Kleinkrieg, der bereits in Strafanzeigen und Unterlassungserklärungen gipfelt.

Düsseldorf. In der Landespolitik herrscht helle Aufregung. Dafür hat der Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" gesorgt, der Finanzminister Helmut Linssen (CDU) in die Nähe des skandalumwitterten Privatdetektivs Mauss rückt. Hat Linssen tatsächlich telefonische Auskunftdienste für Mauss geliefert - auf Vermittlung seines Parteifreunds, des Bergisch-Gladbacher CDU-Urgesteins Wolfgang Bosbach? Oder wurde Mauss tatsächlich genauso wie jeder andere behandelt, der Ärger mit seinem Finanzamt befürchtet, wie das Linssen-Ministerium sagt?

Diese Fragen werden am Donnerstag den Finanzausschuss des Landtags beschäftigen. Damit hat Linssen ein weiteres Problem am Hals. Ausgerechnet er, der als "seriöser Kaufmann" ein gutes Image genießt und unter den Ministern im Landeskabinett als Schwergewicht gelten kann. Bislang hat ihn vor allem die WestLB-Affäre um dubiose Aktienspekulationen beschäftigt. Hier muss er sich vor den angeschlagenen Bank-Chef Thomas Fischer stellen. In der Mauss-Affäre geht es aber um seine persönliche Beteiligung. Und da gerät das CDU-Schwergewicht vom Niederrhein in eine doch sehr unliebsame Nähe zu einer der buntesten Figuren der Agentenszene.

Doch genau die Verwicklung dieses schillernden Geheimagenten kann auch Anlass zu der Vermutung geben, dass das Bekanntwerden der Vorfälle gar nicht zufällig erfolgte - und auch nicht zufällig vom Nachrichtenmagazin "Focus" als Erstem veröffentlicht wurde. Immerhin liefern sich das Münchener Magazin und Mauss seit geraumer Zeit einen erbitterten Kleinkrieg, der bereits in gegenseitigen Strafanzeigen und Unterlassungserklärungen gipfelt.

Letztlich geht es um einen angeblichen Handel mit sensiblem Geheimmaterial aus dem Bundeskriminalamt (BKA) und dortige undichte Stellen. Bei der Suche nach dem "Leck" hatten die Ermittler des BKA auch zahlreiche Journalisten observiert - eine Aktion, die auf massive Proteste unter anderem des Zeitungsverlegerverbandes gestoßen war. Zwar wurde das "Leck" im BKA nicht gefunden, dafür aber wurde angeblich deutlich, dass ein Journalist des "Focus" einen Handel mit geheimen Terrorakten betrieben haben soll.

Die Operation war von Mauss 2002 angestoßen worden, nachdem er laut "Spiegel" eine vertrauliche Aussage beim BKA gemacht hatte und kurz darauf von "Focus"-Redakteuren angerufen worden sein will, die im Besitz dieser Aussage gewesen seien. Nach eigenem Bekunden war Mauss dann anschließend von einem "Focus"-Redakteur erpresst worden.

Der Vorgang ist bizarr, der Vorgang ist gravierend: Der äußerst dubiose Privatdetektiv Werner Mauss hat Sorge wegen einer anstehenden Steuerprüfung, ruft mit Wolfgang Bosbach einen veritablen CDU-Bundespolitiker an und wird nicht etwa am Telefon abgeschmettert. Nein, Bosbach erkundigt sich wunschgemäß bei seinem Parteifreund, NRW-Finanzminister Helmut Linssen, was denn Mauss machen solle. Der liefert einen Ansprechpartner in seinem Ministerium. Dabei handelt es sich um einen hochbezahlten Abteilungsleiter; jemand, den Otto-Normalverdiener nie zu sprechen bekommt. Mauss wurde behandelt wie jeder andere? Diese Aussage des Ministeriums ist blanker Hohn für alle Steuerzahler. Muss man erst Mauss heißen, um Gehör zu finden? Den alten Profi Linssen hat sein Instinkt verlassen.

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