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Christian Lindner in Mettmann: „Melde mich zurück auf der Brücke“

Christian Lindner in Mettmann: „Melde mich zurück auf der Brücke“

In Mettmann eröffnet FDP-Spitzenmann Christian Lindner den Wahlkampf. Er attackiert auch Röttgen.

Mettmann. Der Neuanfang beginnt in Mettmann. In einem Hotel der Best-Western-Kette testet der neue und doch altbekannte FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner (33) die bisher wohl schwierigste Mission seiner Laufbahn: Die FDP bei der Landtagswahl am 13. Mai wieder über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven.

Vor den Delegierten des FDP-Bezirksparteitags zeigte er seine Talente: Gute Rhetorik, Temperament, Themensicherheit. Ein Schuss Optimismus für eine zuletzt verzagte Partei.

„Es geht um die Trendwende für die FDP in NRW und in ganz Deutschland. Deshalb melde ich mich zurück auf der Brücke“, sagt er gleich zu Beginn seiner Rede. Und schaltet gleich in den Wahlkampfmodus.

„Es gibt keine guten Schulden. SPD und Grüne waren die letzten Griechen Europas.“ Mit dem Verhalten im Landtag habe die FDP gezeigt, dass sie prinzipientreu ist.

Lindner ist Hoffnungsträger, und er ist selbstbewusst genug, damit zu spielen. „Die scheinen uns jetzt wieder zu fürchten“, sagt er mit Blick auf persönliche Attacken der Grünen gegen ihn. „Wir suchen die Auseinandersetzung mit allen Grünen, also auch mit Norbert Röttgen.“

Lindner kommt gut an und wird mit Vorschusslorbeeren empfangen. „Ich hätte ihn schon gerne als Bundesvorsitzenden gesehen“, sagte das liberale Urgestein Burkhard Hirsch unserer Zeitung. Mit ihm habe die FDP nun gute Chancen.

„Er ist ein sehr kluger Kopf, und er ist modern“, so Hirsch. Für die Wahl gibt er sich optimistisch. Der Wähler werde sich für eine liberale Stimme in der Innenpolitik entscheiden.

Marcel Hafke aus Wuppertal, bis vor kurzem noch Landtagsabgeordneter, ist sich sogar sicher: „Mit ihm ziehen wir wieder in den Landtag ein. Da war ich mir vorher nicht so sicher.“ Robert Orth, Chef des FDP-Bezirks Düsseldorf, wagt sich ganz weit vor: „Wir können wieder die reine Lehre predigen.“

Unterdessen sind die näheren Umstände bekannt geworden, wie Lindner am Donnerstagabend im Düsseldorfer NH-Hotel völlig überraschend als neuer starker Mann der NRW-FDP inthronisiert wurde.

Zunächst trifft er sich am Nachmittag mit Fraktionschef Gerhard Papke im Landtag. Die beiden sind eng miteinander vertraut, haben sich einst ein Büro geteilt. Dort gibt es die Absprache: Lindner soll es machen. Abends um 20 Uhr ist eine außerordentliche FDP-Landesvorstandssitzung in dem Hotel angesetzt. Es rumort in der Partei, Gerüchte wabern, der Name Lindner fällt.

Lindner und Papke treffen im NH-Hotel ein, Landesparteichef Daniel Bahr und Bundesparteichef Philipp Rösler sind auch da. Lindner und Papke bitten Bahr in einen separaten Raum, Rösler muss wie alle anderen 40 Vorstandsmitglieder vor verschlossener Tür 60 Minuten warten.

Papke und Lindner bearbeiten Bahr, bis der schließlich einwilligt. Als sie wieder herauskommen, setzen sich alle auf ihre Plätze, Rösler sucht sich einen Stuhl. Bahr schlägt Lindner als Spitzenkandidaten und als seinen eigenen Nachfolger als Landesparteichef vor. Rösler spricht nachher von einer guten Lösung.