CDU will für NRW Wohnungen aus dem 3D-Drucker

Technologie : CDU will für NRW Wohnungen aus dem 3D-Drucker

Das Land NRW soll Vorreiter bei der 3D-Technologie werden und so günstig Wohnraum schaffen. Kommende Woche berät der Landtag.

Die CDU will, dass günstiger Wohnraum für Nordrhein-Westfalen bald aus dem 3D-Drucker kommt. Was zunächst nach Science Fiction klingt, beschäftigt in der kommenden Woche tatsächlich den Düsseldorfer Landtag. Und: Es wird anderswo auch schon versucht. „Mir geht es darum, dass wir diese Chance nicht verschlafen“, sagt Fraktionschef Bodo Löttgen.

In Shanghai stehen bereits Brücken aus dem 3D-Drucker, auch in Amsterdam ist eine geschwungene Stahlbrücke für eine der Grachten in einer Industriehalle von vier Robotern aus flüssigem Stahl gedruckt worden. In Eindhoven in den Niederlanden soll die erste 3D-Druck-Siedlung in Europa entstehen: Maschinen bringen den Beton für die organischen Wohngebäude ohne Ecken und Kanten nach digitalen Plänen ohne Stahlgerüst in die richtige Position, so die beteiligten Forscher im „Project Milestone“.

In Shanghai steht bereits sei einigen Jahren eine gedruckte Brücke. Foto: picture alliance / Wang Gang/SIP/Wang Gang

Im Internet sind viele Videos zu finden, wie die vier Roboter in Amsterdam mit dem Stahl quasi in die Luft schreiben und sich Stück für Stück auf der eigenen Konstruktion fortbewegen. Ebenso vom Siedlungsprojekt der Wohltätigkeitsorganisation „New Story“ in Texas, die mit Hilfe eines von der Start-up-Firma Icon entwickelten Riesendruckers innerhalb von 24 Stunden und für weniger als 4000  Dollar günstige Wohnhäuser für bedürftige Menschen aufstellt. „Es gibt zig solcher Videos – aber keines aus Nordrhein-Westfalen“, betont Löttgen.

Die Vorteile des neuen Verfahrens seien zu groß, um sie für den Hausbau schlicht zu ignorieren, glaubt der Politiker: Drucken statt Bauen ist schnell, günstig, funktioniert mit vielen Materialien und auch auf Grundstücken, die herkömmlich nicht zu bebauen sind. Es gebe, so Löttgen bislang ein Modellprojekt in München und einen Lehrstuhl an der TU Dresden – aber keine nennenswerte Forschung ausgerechnet im größten deutschen Bundesland.

In den USA soll mit einem Hochleistungsdrucker jetzt die erste 3D-Siedlung für bedürftige Menschen entstehen – in 24 Stunden und für weniger als 4000 Dollar pro Haus. Ein Musterhaus gibt es schon. Foto: Icon

Koalition will rasch zur praktischen Anwendung gelangen

Die CDU hat sich den Koalitionspartner FDP ins Boot geholt, gemeinsam beantragen die Fraktionen am Donnerstag im Landtagsplenum, die Landesregierung solle die Forschung in dem Bereich ermöglichen und fördern, aber auch Modellprojekte für das Bauen im 3D-Druckverfahren. „Wir müssen uns auf den Weg der praktischen Anwendung begeben“, fordert der CDU-Fraktionschef. Dafür müsse es auch Rechtssicherheit geben: „Unsere Sicherheitsstandards müssen auch für 3D-Druck gelten“, stellt der Politiker klar.

Dass es Arbeitsplätze verdrängt, wenn große Drucker und Roboter statt Handwerkern die Häuser der Zukunft bauen, glaubt Löttgen nicht: „Es ist ein Wechsel, ein Beispiel für den digitalen Wandel der Arbeitswelt.“ Man brauche Manpower dann vielleicht nicht mehr, um Steine zu stapeln, aber etwa zur Bedienung der 3D-Drucker. „Es könnte eine neue Wertschöpfungskette für NRW sein“, hofft er. Zumindest seien so Jobs hierzulande eher zu erhalten, als wenn man den technologischen Fortschritt verpasse und die Maschinen irgendwann aus China importieren müsse. Der Antrag soll an die Fachausschüsse zur Beratung überwiesen und dort auch mit Experten diskutiert werden.

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