Außenminister Laschet - Was der NRW-Ministerpräsident in Amerika macht

New York : Außenminister Laschet - Was der NRW-Ministerpräsident in Amerika macht

Was Nordrhein-Westfalen mit den USA verbindet, speziell mit New Jersey. Ministerpräsident Armin Laschet auf Dienstreise.

Ein Bundesland hat keinen Außenminister. Was einen Ministerpräsidenten freilich nicht daran hindert, von Zeit zu Zeit auch die nationalen Grenzen zu überschreiten. Dass der NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) sich dafür bei seinem Kurztrip über Altweiber neben New York ausgerechnet dessen kleinen Nachbarn New Jersey ausgesucht hat, mag überraschen. NRW hat doch nichts mit dem bloß neun Millionen Einwohner zählenden US-Bundesstaat zu schaffen. Hat es aber doch, bei näherem Hinsehen. So zeigen zwei der Ziele auf Laschets Reise eine bemerkenswerte Verbindung zum Ruhrgebiet, auf die man so schnell nicht kommt.

Da ist zum einen Evonik. Ja, Evonik, das Tochterunternehmen des Essener Konzerns für Spezialchemie, dem Laschet einen Besuch abstattet. 5000 der weltweit mehr als 36 000 Evonik-Mitarbeiter sitzen in New Jersey und weiteren Standorten in Nordamerika. „Und so wird auch hier in Amerika indirekt dazu beigetragen, dass die Alt- und Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus erwirtschaftet werden“, sagt Laschet anerkennend gegenüber der örtlichen Evonik-Geschäftsleitung im kleinen Städtchen Parsippany. Hier lässt er sich durch eine Forschungsabteilung führen. Hintergrund für die Verbindung mit derm Bergbau im Ruhrgebiet ist, dass für die Ewigkeitskosten wie etwa die Regulierung von Bergschäden und das Abpumpen von Grubenwasser die RAG-Stiftung zuständig ist. Und diese wiederum ist Mehrheitseigentümer von Evonik. Da schließt sich der merkwürdige Kreis vom Ruhrgebiet nach Parsippany in New Jersey.

Amerikanische Studenten sind am Emscher-Prozess beteiligt

An noch anderer Stelle tut sich eine solche überraschende Verbindung auf. An der Rutgers Universität, einer staatlichen Uni mit mehr als 50 000 Studierenden, steht der NRW-Ministerpräsident am nächsten Tag in einem Arbeitsraum vor zahlreichen Fotos und Planungszeichnungen, die die Emscher-Region zeigen. Das mutet schräg an, so fernab des Geschehens, wo seit Jahren die Emscher mit einem Investitionsvolumen von mehr als fünf Milliarden Euro vom Abwasser befreit wird. Tausende Kilometer entfernt arbeiten amerikanische Studenten der Landschaftsarchitektur daran, ihre Ideen in diesen Prozess einzubringen. Und grübeln auch im Gedankenaustausch mit Studenten an den Unis Dortmund, Bochum und Duisburg-Essen: Was kann das von ähnlichen Problemen wie das Ruhrgebiet betroffene New Jersey mit seinen industriellen Altlasten von den Deutschen lernen?

Laschet findet es „ein besonders gelungenes Projekt, dass hier die Ruhruniversitäten mit der Rutgers Universität zusammenarbeiten. Und weltweite Expertise im Landschaftsbau zusammengefasst wird, um weiterzukommen bei dem Problem, was aus industriellen Altflächen gemacht werden kann“. Landschaft zurückzugewinnen sei nicht nur eine große Aufgabe für New Jersey oder das  Ruhrgebiet, sondern demnächst auch im Rheinischen Revier nach dem Ende der Braunkohle, denkt er schon mal ein paar Jahre weiter.

„Arminia Aachen“ – da zuckt Laschet kurz zusammen

Neben diesem Ausflug in Wirtschaft und Wissenschaft hat der Ministerpräsident freilich auch Termine auf vertrautem Terrain. Ein Besuch unter Kollegen ist es gewissermaßen, als er den Gouverneur von New Jersey in dessen Amtssitz in Trenton besucht. In gutem Deutsch begrüßt Philip Murphy „meinen Freund Armin Laschet“. Dessen Besuch sei eine „große große Ehre“. Die Verbindung der beiden ist schon älter, schließlich war der Demokrat und Vertraute von Ex-Präsident Obama von 2009 bis 2013 US-Botschafter in Deutschland. Damals kam er auch öfter nach NRW, sogar zum Neusser Schützenfest, erzählt Laschet.

NRW sei ein sehr wichtiger Partner für New Jersey, unterstreicht der Amerikaner mit breitem Lächeln, schließlich säßen mehr als 160 deutsche Fimen hier. Und Laschet betont, wie wichtig es doch sei, gerade in diesen Zeiten „unabhängig von der Administration“ (er meint die Trump-Regierung mit ihrer rigiden Handelspolitik) den Kontakt auch zu einzelnen US-Staaten zu halten. Murphy, der alles andere als gut auf den US-Präsidenten zu sprechen ist, stimmt zu: „In politisch und ökonomisch unbeständigen Zeiten ist es für US-Bundesstaaten wichtiger denn je, die Vorreiterrolle zur Festigung von internationalen Beziehungen zu übernehmen.“

Auch über Fußball hätten sie gesprochen, sagen Gouverneur und Ministerpräsident bei einem gemeinsamen Pressestatement. Er sei seit seiner Zeit in Deutschland Fan von Hertha BSC, so Murphy. Und verfolgt das Geschehen in den deutschen Stadien via Internet. Aber das bezieht sich offenbar nicht so intensiv auf die Spiele in unteren Ligen: Laschet zuckt kurz zusammen, als Murphy von seinem Heimatverein als „Arminia Aachen“ spricht. Kann passieren.

Bei einem größeren politischen Schwergewicht klopft Laschet dann am letzten Tag seines Kurztrips in die USA an, diesmal in New York. Bei den Vereinten Nationen trifft er deren Generalsekretär Antonio Guterres. Der Mann, den Laschet schon am 30. Mai in eben seiner Heimatstadt wiedersehen wird, weil dem Portugiesen dort der Karlspreis verliehen wird. Doch darum geht es nicht in dem Gespäch der beiden Politiker in New York. Laschet macht sich bei Guterres dafür stark, dass Dortmund als Bewerberstadt 2022 den Zuschlag der UN für das World Urban Forum erhält. Bei diesem alle zwei Jahre stattfindenden Großereignis mit 20 000 und mehr internationalen Teilnehmern geht es um die Herausforderungen, wie die Urbanisierung – die wachsenden Probleme der immer weiter wachsender Metropolen – planerisch zu meistern ist. Ob es Dortmund oder einer der internationalen Mitbewerber wird, soll sich im April entscheiden. Laschet jedenfalls hat für die Ruhrgebietsstadt in New York ein gutes Wort eingelegt.

Wie ein echter Außenminister nach der Dienstreise hat auch Armin Laschet nichts Unterschriebenes in seinem Aktenkoffer, woran man messen könnte, was sein Besuch konkret gebracht hat. Für Nordrhein-Westfalen. Aber David Gill, Generalkonsul in New York sieht es so: In Zeiten sich verschlechternder Beziehungen (er meint die aggressive Politik des US-Präsidenten Donald Trump) sei jeder einzelne Besuch und Kontakt umso wichtiger.

Mehr von Westdeutsche Zeitung