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Ausland stiehlt systematisch Spitzentechnologie bei Firmen in NRW

Ausland stiehlt systematisch Spitzentechnologie bei Firmen in NRW

Fast 50 Prozent der Unternehmen werden ausspioniert — vielen ist das nicht bewusst. Oder sie geben es nicht zu.

Düsseldorf. Die Eindringlinge sind vermeintliche Firmen-Praktikanten, die Erinnerungsfotos machen, oder Elektriker, die bei Umbaumaßnahmen geheime Netzwerkkabel legen. Das Ziel: Neuentwicklungen und Produktionsmittel, die die Spitzenpositionen von Unternehmen auf dem Weltmarkt sichern.

Rund vier Milliarden Euro beträgt der Schaden, den die deutsche Wirtschaft jährlich durch Industriespionage davonträgt. Das sagt eine Studie, die von der Sicherheits-Unternehmensberatung „Corporate Trust“ und dem Tüv Süd veröffentlicht wurde. Rund 50 Prozent der deutschen Unternehmen, vor allem Mittelständler, die auf dem Weltmarkt Technologieführer sind, sind betroffen.

Es gebe auch Fälle aus der Region zwischen Düsseldorf und dem Bergischen Land, erklärt Stefan Schroeter von der Industrie- und Handelskammer in Düsseldorf. Oftmals würden diese Fälle aber aus Angst vor Imageverlust nicht bekanntgegeben oder angezeigt.

Tatsächlich gaben die Unternehmen gegenüber unserer Zeitung an, bei ihnen seien keine Fälle von Industriespionage bekannt. Natürlich treibe man aber einen großen Aufwand, um die eigenen Produkte zu schützen: Internetverbindungen würden geschützt, Werke und Forschungseinrichtungen durch Kameras und Zugangsbeschränkungen.

Auch die Mitarbeiter würden dauernd sensibilisiert, wenn sie vertrauliche Daten in Laptops und Aktentaschen mit sich herumtragen, erklärt beispielsweise Ute Hoppe vom Hersteller von Autoschließsystemen Huf in Velbert.

Laut Schroeter veranstaltet die IHK regelmäßig Informationsveranstaltungen zusammen mit dem Innenministerium und dem Verfassungsschutz. Denn Wirtschaftsspionage wird durch fremde Auslandsnachrichtendienste betrieben, Industriespionage durch andere Unternehmen.

Und gerade viele mittelständische Unternehmen seien sich nicht bewusst, dass sie Opfer von Technologiediebstählen werden, bestätigt auch Jörg Rademacher vom NRW-Innenministerium: „Auch in NRW werden Unternehmen ausspioniert.“ Und die Zahlen nähmen zu, gerade im Internet.

Übrigens: Nach Enthüllungen der Internetplattform Wikileaks spioniert Frankreich seine Europäischen Partner am stärksten aus — noch vor den Chinesen.