Ärger um Krafts Funkloch-Urlaub

Ärger um Krafts Funkloch-Urlaub

Landeschefin wehrt sich gegen den Vorwurf, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Düsseldorf. Der Streit um die Funkloch-Äußerung von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ebbt nicht ab. Dass sie nach einem schweren Unwetter in Münster nicht sofort an die Unglücksstelle geeilt ist, begründete Kraft zunächst damit, dass sie eine Woche lang im Urlaub nicht telefonisch erreichbar war. Später korrigierte sie sich: Sie habe nur einige Stunden im Funkloch gesteckt.

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Im Interview mit unserer Zeitung, erneuerte CDU-Chef Armin Laschet jetzt seine Kritik an der Ministerpräsidentin. Sie wolle die Menschen für dumm verkaufen, sagte er. Gegenüber der Welt war die Rede davon, dass Kraft „die Menschen im Münsterland belogen“ habe.

Die SPD-Politikerin fühlt sich inzwischen von der Opposition regelrecht an den Pranger gestellt. „Da soll ein Skandal konstruiert werden, ein Funkloch-Gate, wie ich gelesen habe, indem ein Satz aus dem Gesamtzusammenhang gezogen wird“, sagte die Ministerpräsidentin dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Was genau war passiert? Am 28. Juli hatte ein schweres Unwetter in Nordrhein-Westfalen vor allem Münster schwer getroffen. Bei dem Starkregen kamen zwei Menschen ums Leben, zahlreiche Häuser waren unbewohnbar. Hannelore Kraft machte zu dem Zeitpunkt Urlaub, besuchte die Stadt erst einen Monat später. Zu einem Problem wurde dies erst Anfang September. Die Politikerin war Ehrengast des 1. Havichhorster Abends der Stiftung Westfälische Landschaft. Auf der Bühne wurde sie gefragt, warum sie denn nach dem Unwetter nicht sofort nach Münster gefahren sei. Die Antwort wurde in der „Westfälischen Rundschau“ so zitiert: „Ich war in Brandenburg auf einem Schiff und hatte eine Woche keinen Empfang.“

„Ministerpräsidentin nicht auf Empfang?“, polterte daraufhin die Opposition im Landtag und zeigte sich schockiert darüber, dass die Ministerpräsidentin offensichtlich eine ganze Woche lang abgetaucht war. Die Kritik gipfelte in einer Landtagsanfrage des Münsteraner Abgeordneten Thomas Sternberg. Er wollte unter anderem wissen, wie lange genau die Ministerpräsidentin nicht zu erreichen gewesen sei.

Danach nahm die Debatte eine völlig neue Richtung. Denn Kraft stellte in einer selbst verfassten Antwort umgehend klar: „Ich wurde telefonisch am 29. Juli 2014 vom zuständigen Innenminister Jäger über das Unwetter in Münster und Umgebung informiert. Er erreichte mich wegen der Funklöcher vor Ort erst nach mehreren Versuchen.“ Zudem gebe es jederzeit Vertretungsregelungen, wenn die Ministerpräsidentin außer Landes sei.

Damit stand fest: Die Landesregierung war demnach zwar keineswegs führungslos. Klar war damit aber auch: Die ursprüngliche Behauptung Krafts, eine Woche lang keinen Empfang gehabt zu haben, ist nicht haltbar.

„Das ist gerade für Hannelore Kraft ein schwerer Imageschaden, da sie sich stets besonders volksnah und bodenständig gibt“, sagt Markenexperte Bernd Samland, der lange als Imageberater für hochrangige Politiker tätig war. Seine Einschätzung: „Wenn sie in einem anderen Fall geflunkert hätte, etwa bei einer Budgetfrage, hätte man ihr das verziehen. So gilt: Da verspielt eine Marke ihren Markenwert.“ Hannelore Kraft selbst fühlt sich völlig falsch dargestellt. Dass sie keinen Empfang gehabt habe, habe sich nicht nur auf das Mobiltelefon bezogen.

„Fakt ist: Ich war auf den Brandenburgischen Seen unterwegs und hatte dort keinen Fernseher und öfters keinen Handyempfang. Ich konnte daher keine Bilder, Videos oder Filmbeiträge über das Ausmaß des Unwetters empfangen. Das ist dort nun mal leider so“, sagte sie in einem Zeitungsinterview.