Kritik an Washington: US-General muss gehen

Kritik an Washington: US-General muss gehen

Afghanistan: Präsident Obama trennt sich von Oberbefehlshaber Stanley McChrystal.

Washington. An der Spitze der 120000 Mann starken Afghanistan-Schutztruppe Isaf gibt es eine Wachablösung: Nachdem Oberbefehlshaber Stanley McChrystal in einem Interview schonungslos über Mitglieder der US-Regierung hergezogen hatte, entließ US-Präsident Barack Obama den General am Mittwochabend.

Der Präsident habe diese Entscheidung nach einem Treffen mit dem General getroffen, teilte das Weiße Haus mit. Nachfolger von McChrystal in Afghanistan solle der bisherige Chef des US-Zentralkommandos, David Petraeus, werden.

Der US-Präsident zog damit die Konsequenzen aus kritischen Kommentaren von McChrystal und seinen Beratern über die US-Regierung, die am Tag zuvor bekannt geworden waren. McChrystal war im US-Musikmagazin "Rolling Stone" mit scharfer Kritik an Vizepräsident Joe Biden und am US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, zitiert worden. Ein enger Berater des Generals wurde zudem mit der Einschätzung zitiert, dass McChrystal wenig von Präsident Obamas Afghanistan-Politik halte. McChrystal hatte sich nach Bekanntwerden des Artikels umgehend entschuldigt.

Offenbar hatte der Oberkommandeur einen Reporter des populären Zeitgeistmagazins mitschreiben lassen, als McChrystal und einige seiner engsten Mitarbeiter über Mitglieder von Obamas außen- und sicherheitspolitischen Team lästerten. Auf Vizepräsident Joe Biden angesprochen meinte der US-General laut dem Bericht beispielsweise: "Sie fragten nach Vizepräsident Biden? Wer ist denn das?" Den Nationalen Sicherheitsberater James Jones bezeichnete der 55-Jährige danach als "Clown" und "inkompetenten Bürokraten".

Die Entlassung kommt zu einem schlechten Zeitpunkt: McChrystal entwickelte die Strategie, mit der die Isaf gegen die radikal-islamischen Taliban gewinnen soll. Eine Strategie, von der Nato-Militärs sagen, sie zeige bereits erste Erfolge. Aber auch eine, die so viele Opfer wie nie zuvor von den internationalen Soldaten fordert.